2 Bier für einen Zylinder

20. März 2014

Was letztendlich auch noch klappte bzw. kaum vermeidbar war: Pa, der immer mehr und mehr mit seinen Handys beschäftigt war, auf denen immer eine seiner beiden finnischen Freundinnen anrief, um sich über die andere, das teure Kaffeepulver und vor allem ihn auszulassen (sorry Leute, das ist eine andere Geschichte), schaffte es nun endlich das Abschleppseil so schlaff zu halten, dass das rechte Vorderrad nach etlichen Versuchen nun endlich über dieses drüber rollte, es dabei kappte, der LKW befreit seines Weges fuhr und wir (Oh Wunder!) geradewegs von der Straße rollten und noch so viel Schwung mitbrachten, um so ziemlich exakt vor dem örtlichen Mechanic-Stopp von Soma zum Stehen zu kommen. Wie genau wir das angestellt hatten, ist mir selbst heute noch nicht richtig klar.

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Im folgenden passierte dann aber etwas, was mich eigentlich noch mehr faszinierte: Es war inzwischen schon etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang und wir standen ziemlich ratlos mit einer kaputten Zylinderkopfdichtung auf einem staubigen Platz inmitten von ein paar schrottreifen Autos, deren Kofferräume mehr oder weniger als Werkzeugkästen und Ersatzteillager für mögliche oder auch unmögliche Reparaturen dienten. Außer einem kleinen Unterstand gegen die Tageshitze, von der man jetzt nichts mehr spürte, gab es hier eigentlich nichts. …Abgesehen von den 5 sehr engagierten Gambianern, die sich mit einem Mal daran machten, unseren Motor komplett auseinanderzunehmen – und wenn ich komplett sage, meine ich KOMPLETT! Während wir also so da saßen, diverse Wetten bei den letzten kühlen Bier über das Ausgehen dieses Geschehens abschlossen und der Sonne zusahen, wie sie immer schneller unterging, verteilten sich der bereits heute morgen ausgebaute Kühler sowie diverse andere grundessentielle Motorelemente langsam aber sicher auf den schrottreifen Autos und warteten darauf sich endlich auf immer und ewig zu ihnen gesellen zu können.

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"Die Zylinderkopfdichtung" von Vincent Van Gogh

Da geht es schon ganz schön bunt her, in so einem zerlegten Motor. Hat fast schon expressionistische Qualitäten und ließe sich bestimmt auch ganz gut an exzentrische Kunstsammler verkaufen. Nur ob das Pa getröstet hätte? – Immerhin ist die Google-Reverse-Bildersuche der Meinung, er hätte eine ganz entzückende Ähnlichkeit mit der „Sternennacht“ von Van Gogh. Man mache sich selbst ein Bild. Sterne hat man in dieser Nacht jedenfalls zu Hauf gesehen.

Nach etwa drei Stunden pausenloser Arbeit – zwei Stunden davon in völliger Dunkelheit mit freundlicher Unterstützung unserer Petzl-Stirnlampen – den restlichen Bier und etlichen Versionen Wüstenblues à la Ali Farka Touré auf meiner Guitarlele war auch die letzte Schraube wieder an ihrem Platz (!). Kaum zu glauben, aber soweit ich mich erinnern kann, fehlten die bei solch Aktionen sonst so üblichen ratlosen Gesichter über die Zugehörigkeit dieser letzten Schrauben gänzlich. Oder es war einfach zu dunkel und die Schrauben fanden dann doch ihre Zugehörigkeit in den Kofferräumen der anderen Autos. Der Motor wurde jedenfalls angelassen und hörte sich erst mal gar nicht so sehr anders an als vorher: Mehr als ein enttäuschendes Keuchen war nicht zu vernehmen. Ich hatte schon gedacht ich müsste nun doch noch den nicht näher definierten Wetteinsatz erbringen. Aber so schnell gibt man in Afrika nicht auf. Ganz ehrlich: 3 Stunden Schrauben für diese ernüchternde Erkenntnis – das wäre auch mir zu schade gewesen. Also schob man das Auto an. Erst nur ein Stück, dann etwas weiter und als nächstes fast um den gesamten Platz, wo es dann schließlich erst „Keuch, Keuch“ gefolgt von „Hust, Hust“ und irgendwann „Brumm Brumm“ machte. Deutlich zu hören war zwar erst nur ein Zylinder, später folgte dann aber der zweite und irgendwann auch der dritte. Mit dem vierten dauerte es noch etwas länger, aber auch dieser gesellte sich schießlich dazu. Zwar verlor das Auto für diesen Moment noch Sprit, aber das interessierte nicht wirklich jemanden. Bis zum nächsten Hotel würde man es schon schaffen und den Rest am nächsten Tag bei Sonnenschein regeln. Wahnsinn! Umgerechnet 50 € für 3 Stunden Arbeit und eine neue Zylinderkopfdichtung – das soll denen in Deutschland erst mal jemand nachmachen. Zwar war nun nicht mehr genug Geld für die Übernachtung und das allseits herbeigesehnte Abendessen übrig, aber auch das haben wir irgendwie hingemogelt.

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Der Trip nach Georgetown war zwar nun Geschichte aber das störte nach diesem kleinen Abenteuer eigentlich nur die selbsternannten Reiseleiter. Da die Wasserpumpe, wie sich bald herausstellte, aber immer noch im Eimer war, erinnerte die Rückfahrt nach Serekunda nicht nur von ungefähr an eine schon etwas länger zurückgelegte Etappe in Australien, wo man alle paar Kilometer damit beschäftigt war heißes (!) Wasser in den Kühler nachzufüllen. Denn zumindest DAS hatte man in Gambia nun verstanden.

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