Die Dusche über dem weißen Ledersofa

4 Tage Pause in Lausanne

Lausanne ist doch immer wieder eine willkommene Gelegenheit zur Pause auf meinem Weg nach Südfrankreich. So auch dieses Mal. Max überraschte ich sogleich mal mit der Ankündigung meinerseits, noch einen Tag extra zu bleiben. Sei es um liegen gebliebene Arbeit zu erledigen, einfach mal nur die Beine auszustrecken oder auch mal den einen oder anderen Blog-Beitrag zu verfassen. Er sagte zu und ich nahm die Gelegenheit gerne war.

Den Extra-Tag verbrachte ich in der Tat damit, endlich etwas geschäftlichen Kram aufzuarbeiten. Als kleines Special gab’s am Abend einen kleinen Ausflug auf’s Dach von Max’s Wohnung. Beste Aussicht über den Hafen von Ouchy inklusive, so wie man das liebt. Vielleicht nicht gerade der beste Ort um spazieren zu gehen, wenn es kürzlich zuvor geregnet hat, ansonsten aber relativ ungefährlich und absolut sehenswert. Etwas überrascht hat uns die kleine, gemütlich eingerichtete Dachterrasse des Hotels von nebenan. Dort, wo aus irgendeinem, eher befremdlichen Grund, eine Dusche über dem weißen Ledersofa angebracht war. Vielleicht für solch besonders heiße Tage wie heute. Wer weiß das schon…

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Wie es der Zufall so wollte, fand an diesem Wochenende ein Afro Fusion Festival, das sogenannte LAFF, auf dem Place de l’Europe in Lausanne statt. Nach einem kurzen Besuch am Donnerstag Abend und der Erkenntnis, dass es um die musikalischen Virtuosität der Künstler ebenso ähnlich stand, wie um die Dusche auf der Dachterrasse – man versuchte vergeblich einen Sinn hinter dem ganzen zu finden – schlug ich das Line-Up doch noch mal in Google nach und siehe da: Am Samstag Abend würde meine Lieblings-Reggae-Band aus Afrika „Meta and the Cornerstones“ spielen.

Das ganze stellte mich vor eine mittelschwere Entscheidung: Sollte ich noch 2 Tage Lausanne dranhängen, um diesem, für mich doch recht besonderen, Event zu frönen? – Ein kurzes Bier später war dann die Entscheidung gefallen: Ai freilich!

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Max versuchte mich bereits seit einiger Zeit mit einer App zu begeistern, „Toogoodtogo“ ihres Namens, oder wie man das auch immer schreibt. Er war sich da selbst nicht so sicher. Die Spezialität dieser App ist folgende: Man bekommt altes Essen zu reduzierten Preisen. – Gut, das kann man sicherlich auch etwas werbewirksamer ausdrücken, aber im Prinzip ist es das. Restaurants, mehrheitlich Buffet-Restaurants, können auf diese Weise noch die Reste des Tages an den Mann bringen, ohne sie verschwenden zu müssen. An sich eine feine Sache. Vor allem für Leute, die es mit der Sterne-Küche zu Hause nicht so genau nehmen.

Am Donnerstag Abend erfreuten wir uns also an einem schicken Dinner mit Pappbesteck eines vegetarischen Restaurants, dessen Name mir einfach nicht im Kopf bleiben wollte. Es gab Soja-Bratlinge mit Melonen-Salat, etwas undefinierbares Allerlei und leicht angealterte Potatoe-Wedges. An sich gar nicht so schlecht. Wäre da nicht der nächste Tag gewesen…

Um ehrlich zu sein, ich bin mir nicht sicher woran es lag. An den alten Kartoffeln. An dem zusammengeschusterten Frühstück mit fraglichen Aldi-Würstchen, die ich nun bereits eine Woche mit mir herumschleppte. Oder an dem einen oder anderen kalten Brunnen, an dem ich mich auf meinem Weg durch die Schweiz erfrischt hatte. Jedenfalls fühlte sich auf eimal irgendetwas so gar nicht richtig in meinem Magen an. Ich schob es vorerst noch auf den Hunger und mampfte sogleich noch das restliche Frühstück in mich hinein. Definitiv ein Fehler.

Von der vielen Arbeit, die ich an diesem Tag erledigen wollte, schaffte ich gerade mal einen kleinen Bruchteil, ehe mich ein beständiges Murren in meinem Magen, sowie ein klammes Gefühl gefolgt von Krämpfen auf das Sofa zwang. Eine halbe Stunde später, und aus dem Murren war ein kleines Knurr-Konzert geworden. – Okay, das könnte ein Problem darstellen.

Ich überlegte angestrengt, was ich wohl falsches gegessen hatte. Und ehrlich gesagt, mir fiel so einiges ein. Eine böse Vorahnung heraufbeschwörend, bestellte ich bei Max schonmal Kamillentee, ne Cola und Salzstangen, die er mir vom Supermarkt mitbringen solle. Bis er dann da war, war es auch schon soweit und ich hatte der Toilette bereits zweimal kopfüber einen Besuch abgestattet. Kamillentee hatte er leider keinen finden können und als Satzstangen-Ersatz offerierte er mir irgendwelche Käse-Snack-Stangen. Einzig mit der Cola hatte es geklappt. Immerhin. Und immerhin ging es mir ganz langsam auch wieder besser. Mein Magen hatte wohl in Anbetracht des Frühstücks einfach dicht gemacht und wartete nun auf den Moment, bis ich mich auf anderem Wege von meiner morgendlichen Kochkunst entledigt hätte, ehe er die Nahrungsaufnahme wieder zuließ. – Zum Glück. Ich dachte schon, ich säße unter Umständen eine ganze Woche auf Max’s Sofa fest.

Am nächsten Morgen ging es mir dann wieder einwandfrei. Ich war zwar noch etwas wackelig auf den Beinen. Aber das sollte sich innerhalb des Tages schon regeln lassen. Die erste Aktion würde heute sodann ganz klar heißen: Zum Supermarkt gehen und leckeres, frisches und vor allem gesundes Essen einkaufen! – Max’s Kühlschrankfach war noch nie so grün gewesen.

Nach einem richtig leckeren Abendessen ging es dann auf’s Festival. Mit dem Roller versteht sich. Und Rollerfahren macht richtig Spaß! Wenn auch nur als Beifahrer. – Ich, für meinen Teil muss gestehen, dass ich ja noch nie so richtig Roller gefahren bin. Das, was dem bisher am nächsten kam, war wohl das E-Bike meines Bruders. Ich hatte also durchaus Probleme, mich erstmal mit dem Helm und im Anschluss mit dessen Visier zurechtzufinden. Aber nach ein, zwei Fahrten hatte ich auch das raus. Da Lausannes Straßenzüge denen von San Francisco nicht ganz unähnlich sind, hat man mit mit dem Roller eindeutig ein Ass im Ärmel. Schwuppdiwupp und man ist dort, wo es einem beliebt.

Trotzdem kamen wir leicht verspätet, aber dennoch genau zum richtigen Moment für Meta and the Cornerstones am Place de l’Europe an. Ich muss zugeben, der Tourplan auf der bandeigenen Webseite, hatte mich zwar etwas irritiert, aber ich gab nichts Großes drauf. Da man vom Durchschnittseuropäer, der im Allgemeinen von Afrika als einem Land spricht, und eben nicht von einem Kontinent, auch nicht erwarten kann, er wisse jetzt, wo sich denn jetzt im Detail Kaolack befände – er würde es wahrscheinlich in Südostasien vermuten und eben nicht im Senegal – kann man von einer senegalesischen Band wohl ebensowenig erwarten, dass Lausanne eben nicht mit Montagnola oder Bagnols sur Cèze mit Molles gleichzusetzen ist. Die Orte sind allemal in grober Nähe zueinander, und auch nur dann, wenn man den mondialen Maßstab anlegt. Egal, hauptsache die Festival-Namen passen.

Doch als wäre es eine Art Vorahnung gewesen, kündigte der Moderator, als es dann soweit war, zwar eine weltbekannte, afrikanische Band an, aber eben doch nicht Meta. Der wäre, wie er dem Publikum mitteilte, kurzfristig in den Senegal zurückgekehrt. Warum, das müsse man ihn schon selbst fragen. Als Ersatz gab es zwar durchaus virtuose Künstler, allerdings in einer Art Freejazz-Variation. Kein adäquater Ersatz für mich. Aber egal. – Ich sagte mir einfach immer wieder still und heimlich: Hätte sich Meta für heute Abend nicht angekündigt, wäre ich mit Sicherheit bereits am Freitag weitergefahren und hätte mich dann auch mit Sicherheit fein säuberlich in den Genfer See entleert, anstelle auf Max’s Toilette. Kein Spaß. Für niemanden.

Unvergleichliches Hygienegefühl auf den „öffentlichen“ Toiletten des Place de l’Europe in Lausanne. Zum Glück ging es mir zu diesem Zeitpunkt schon wieder besser.

Zur Feier des Abends bestellte ich mir dann noch das teuerstes Bier der Welt, dessen Name genauso unaussprechbar daherkam, wie der Preis, den ich dafür bezahlte. Aber als bekennender Hobbybrauer konnte ich mir das eben nicht entgehen lassen. Vor allem da Chili auf der Zutatenliste stand.

Das teuerste Bier der Welt kommt aus Afrika.

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