Craft Beer à la française

Tag 11 – Von Saint Remèze nach Anduze

Heute würde ich mich ausnahmsweise mal mit dem Wind anfreunden, soviel stand fest – zumindest nach den ersten Kilometern. Diese führten mich nämlich zunächst noch westwärts dem Wind entgegen, aber glücklicherweise größtenteils den Berg hinab bis nach Vallon Pont d’Arc. Dann würde ich ein klein wenig Richtung Süden abdrehen und grob in die Richtung des Winds mit einschwenken.

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Wie ich schnell feststellen konnte, war nicht nur der Rückenwind eine große Hilfe. Nein, auch das gestrige Gewitter hatte die Temperaturen ordentlich abgesenkt, sodass es jetzt statt 40° nur noch 30° heiß war. Ein merklicher Unterschied, der sich am Ende des Tages vor allem darin bemerkbar machte, dass man nicht mehr ganz so am Arsch ist, sondern sich mit selbigem sogar noch in die Stadt bewegt. Doch dazu später.

Auf der Seite vom Cleanup-Network auf Facebook hatte ich vor geraumer Zeit mal gelesen, was man denn unternehmen könne, um dem ganzen Müll, der in Stuttgart aus den gelben Säcken (warum auch immer) wieder herauspurzelt und dann in der Gegend rumliegt, mit entsprechenden Gegenmaßnahmen zu begegnen. Nun ja, in Frankreichs Süden sind die gelben Säcke dank der sich inzwischen etablierenden Mülltrennung auch angekommen. Und da es hier halt ab und zu mal kräftig windet oder die streunenden Katzen besonders hungrig sind, scheint sich jemand Gedanken gemacht zu haben und hat diesen hübschen Pfahl mit ein paar Kleiderhaken in die Landschaft gesetzt und liebevoll „arbre de tri“ (Baum der Mülltrennung) genannt. An sich keine schlechte Idee. Und mit etwas grüner Farbe und ein paar Lichterketten, hätte man zur Weihnachtszeit sogar eine ganz hübsche Straßendekoration, mittels der sich der unliebsame Weihnachts-Müll dann ganz hervorragend „upcyclen“ lässt.

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In Anduze machte ich es mir auf dem hübschen „Camping Bellevue“ gemütlich, ein Camping à la Ferme, wie es so schön heißt und DIE Alternative zum nicht mehr vorhandenen Camping les Oliviers, seinerzeit ebenfalls ein Camping à la Ferme, der wiederum DIE Alternative zu den ganzen überfüllten Touri-Campingplätzen am Flussufer war. Einzig und allein der schöne Ausblick Richtung Anduze hat etwas gefehlt, lies da der Name „Bellevue“ (schöne Aussicht) doch eigentlich etwas mehr erwarten.

Heute Abend hatte ich so richtig Lust, endlich mal auszugehen! Nach kurzer Recherche fand ich auch sogleich ein Restaurant, welches es mir absolut antun würde. Der Name „Tife Tafe – Restaurant & Bar a bières“ versprach vieles! Und dank hungriger Fahrradfahrer-Miene bekam ich sogar noch einen der letzten Plätze im Eck eines kleinen Hintergartens, der eigentlich gar nicht mehr so richtig zum Restaurant gehörte. Umso schöner. Die Bierkarte war lang, deshalb fiel meine erste Wahl sogleich auf das IPA vom Fass und zwar bitte in 05er Größe. Der voreilige Kommentar vom Wirt Richtung Bedienung, „Hier möchte sich heute Abend jemand die Kante geben.“, verstummte recht schnell, als ich ihn über mein Fabel für Selbstgebrautes aufklärte.

Da war sie! Die gemeinsame Grundlage für einen schönen Abend. Und spätestens als sich die letzten Gäste gegen 10 Uhr verabschiedet hatten und sich das Personal zur gemeinsamen allabendlichen Bierprobe auf der Terrasse versammelte, ja da nahm dann auch der anfängliche Kommentar wieder realitätsnahe Züge an, während man zu in Cognac-Fässern gelagertem Schweröl auch mal den einen oder anderen Schluck Nougat-Bier probierte oder seine Zunge mit ein paar Safran-Noten verwöhnte. Alle Biere auf der Karte entstammen übrigens der Region und werden von dem jungen Wirt, seines Namens Olivier, eigens nach bestem Wissen und Geschmack bei den örtlichen Brauereien ausgewählt. Und wer hätte es gedacht, nicht nur das Bier schmeckte hervorragend, auch das Essen kann sich absolut sehen lassen! Eine wahrliche Empfehlung meinerseits: Das Tife Tafe in Anduze!

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