5530 km bis zum Ziel!

19. Oktober 2016

Von Jerez de la Frontera nach Cádiz

Heute war es soweit, heute würde ich mein Ziel erreichen! Dass es danach noch etwas weiter gehen würde, ist jetzt vorerst mal egal. Cádiz stand von Anfang an in meinem Reiseplan als Endziel und dementsprechend würde der Tag heute auch zelebriert werden.

Natürlich führte mein Navi, genau in jenem Moment als ich das Hotel verlassen wollte, ohne zu fragen, wohl verwöhnt durch das lokale Wlan-Netz, noch ein umfangreiches Update aus. So musste ich mich, bereit für die Abfahrt, wie ich war, erst mal noch eine Weile in den Hauseingang stellen und warten bis sich das Navigationsprogramm aktualisiert hatte. Als wäre das zu diesem Zeitpunkt noch unbedingt nötig gewesen…

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Strecke nach Cádiz
Dann ging es los! Aus Jerez hinaus. Was sich allerdings ein bisschen in die Länge zog. Vorbei an eher unansehnlichen Industrie- und Schweinefarmen. Manchmal vermischte sich der Geruch von Gülle auf recht erstaunliche Weise mit dem von frisch gepresstem Olivenöl, was dazu führte, dass ich aufgrund der perfekten Art und Weise, wie diese beiden Gerüche ineinander übergingen, ein klein wenig mein Gefallen an nativem Olivenöl in Frage stellte.

Eine Seniorentruppe von Rennradfahrern veranstaltete an diesem Tag auf meiner Wegstrecke lustigerweise ein kleines Radrennen. Zwar in entgegengesetzter Richtung, aber das sollte nicht weiter stören. Mir wurde kräftig vom Begleitfahrzeug aus zugehupt und ein Fotograf, der für die nötigen Pressefotos sorgen sollte, kam gar nicht mehr aus dem Knipsen heraus, als ich an ihm vorbei fuhr. Irgendwo in einer andalusischen Lokalzeitung prangt also ein Bild von mir, wie ich die letzten Kilometer auf meiner Tour bewältige. Eine schöne Vorstellung.

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Kakteenplage
Auf der Strecke begegnete mir ebenfalls (vorerst wahrscheinlich zum letzten Mal) diese üble Kakteen-Plage, mit der ich mich bereits in Deutschland elendig herumschlagen musste und die nun scheinbar im Begriff ist, Spaniens Gesamtvorkommen an leckeren Kaktusfeigen-Kakteen (oder wie sie eben heißen) dahinzuraffen. Ein trauriges Bild, das mir oft begegnete und das ich euch deshalb auch nicht ersparen will. – Sind diese fiesen, weißen Fusel-Läuse erst einmal mit ihrer Arbeit fertig, bleiben oft nur noch ausgedörrte, herabhängende Kakteen-Skelette zurück.

Es dauerte nicht lange, da lies ich die Hauptstraße hinter mir und bog in einen Feldweg ein. Meiner Ansicht nach eignet sich ja ein Feldweg viel besser zum Müll aufsammeln als eine Verkehrsstraße. Nicht nur, dass man hier gemütlich Halt machen kann. Nein, nach getaner Arbeit sieht das Ergebnis auch meist um Längen ordentlicher aus. An den Hauptstraßen wird der Müll von gefühlten Jahrhunderten bereits schon wieder von den Pflanzen, die am Straßenrand wachsen, überwuchert und man muss sich oft erst zu den halb verrosteten Bierdosen unter dem Dickicht durchwühlen. In der Natur ist es meist hingegen ein Leichtes den Müll vom Boden aufzupflücken und man erhält sogar einen kurzen Eindruck davon, wie es hier ausgesehen haben könnte, bevor der Mensch die Einwegverpackungen erfand.

Manchmal ist es jedoch einfach nur zwecklos. (siehe Titelbild)

Müllkiste
Wie dem auch sei, ich lud meine Kiste dermaßen voll, dass ich die Hälfte aufgrund der vielen Schlaglöcher auf dem Weg wieder verlor. Oft musste ich anhalten, um einfach nur jenes aufzusammeln, was gerade herausgepurzelt war. Das nervte irgendwann ganz gehörig. Als einzige Alternative (denn ein Mülleimer war weit und breit noch nicht in Sicht) blieb mir nur, noch mehr Müll einzusammeln und ihn dermaßen dicht gedrängt in meine Kiste zu stopfen, dass er sich von selbst verkeilen würde. Wenn man’s so will, spielte ich ’ne Runde Müll-Tetris.

Pinienhain
Der weitere Weg führte durch hübsche Pinienhaine, vorbei an tobsüchtigen Hunden und schlussendlich auch zu einem Müllcontainer, wo ich den ganzen Schutt erst einmal ablud. Ich war bereit für die letzte Etappe gen Cádiz, entlang den von Ebbe und Flut gezeichneten Salzseen, die sich entlang des Küstenstreifens breitmachen, der die Halbinsel Cádiz mit dem Festland verbindet.

Wäre da nicht diese gesperrte Brücke gewesen. – War ja klar, dass mir sich so etwas noch kurz vor dem Ziel in den Weg stellt. – Eine gesperrte Brücke ist normalerweise nicht so das Problem. Nur war diese wirklich gesperrt. Es war unmöglich an den Absperrgittern vorbei zu kommen. Und dafür musste es sicherlich einen triftigen Grund geben. Nun, ich war nicht gewillt, diesen herauszufinden. Eine Alternativroute (möglichst ohne Umweg) musste her. Ich entdeckte sie in Form einer kleinen Straße parallel zur Autobahn, die zwar nur für Servicefahrzeuge zugelassen war, aber das kümmerte mich nun wirklich wenig. Wegen mir hätte es auch eine Einbahnstraße sein können. Aber mein Navi war da anderer Meinung. Es wollte mir partout nicht glauben, dass man über diese Route nach San Fernando gelangen würde, der nächste Zwischenstopp auf dem Weg nach Cádiz. – Ich ignorierte es höflich. Irgendwann musste ich das ja mal tun. Irgendeine Wegmöglichkeit würde sich schon ergeben, schließlich war da ja auch ein Weg eingezeichnet. Einmal unter die Brücke drunter, einmal unter der Brücke raus. So einfach ist das…

ruinöse Brücke
…leider doch nicht. – Ich hatte Glück. Schwimmen musste ich nicht. Es herrschte gerade Ebbe. Die Brücke war jedoch mehr als ruinös und der „Weg“ unter der Autobahn bzw. Brücke gehörig matschig und nur von geringer Durchgangshöhe. Beim ersten Versuch, ihn zu durchqueren, räumte die Brücke erst einmal mein halbes Gepäck ab. Beim zweiten Versuch blieb ich mit meinem vorderen Zahnkranz an einem Stein hängen, was zur Folge hatte, dass sich irgendetwas mehr oder weniger wichtiges verbog. Meine Schuhe, die inzwischen eigentlich nur noch als extrem luftige Sandaletten durchgehen, füllten sich natürlich mit dem ganzen Schlamm, der sich an ihnen vorbeipresste.

Leicht fluchend, dass mir so was ausgerechnet noch auf der letzten Etappe passieren muss, kam ich am anderen Ende der etwas dürftigen Unterführung wieder heraus und legte erst einmal eine großzügige Reparatur- und Putzpause ein. So konnte ich nicht weiterfahren. Während der Kleber trocknete, schürfte ich mir den Schlamm von den Schuhen und freute mich auf ein erfrischendes Bier in San Fernando, wo ich meine Ankunft schon mal im Voraus begießen wollte. Auch wenn sich das normalerweise nicht gehört. Aber was war heute schon normal?

Blick Richtung Cádiz
Ich fasse mich nun kurz, Cádiz ist ein eigenes Kapitel, eines der schönsten auf meiner Reise. Nachdem San Fernando erreicht war, ging es noch circa 16 km gerade aus, entlang jener Bahnstrecke, die sich, ganz ähnlich meiner Route, von Sevilla über Jerez bis nach Cádiz windet. Alfred kippte bei einer etwas unbeholfenen Fotosession von einem Fischerboot (Nein, natürlich kippte er nicht von einem Fischerboot. Die Fotosession galt dem Fischerboot.) noch ein letztes Mal um, einfach nur um mir zu zeigen, dass er’s kann. Das hatte zur Folge, dass ich den ganzen neu eingesammelten Müll abermals einsammeln durfte. Der Fischer hatte sicherlich seinen Spaß. Dann war ich da!

Ankunft in Cádiz
Ich war am Ziel! 5530 km und knappe 4 ½ Monate hatte es gedauert. Ein paar ausgedehnte Pausen hatte ich unterwegs ebenfalls eingelegt. Jetzt ist die Zeit für Luftsprünge, gute Tapas, schöne Begegnungen und Relaxen! In Cádiz werde ich knappe 3 Wochen verweilen, ehe ich mich mit der Fähre in Richtung Kanaren aufmache. Es wird eine schöne Zeit werden.

Cádiz

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