Baden im Rhein ?

9. Juni 2016

Vermutlich keine so prickelnde Idee.

Rhein, Hochwasser
Vor etwa 3 Jahren kam ich an einer sehr ähnlichen Stelle vorbei. Damals herrschte purer Sonnenschein. Gut, ich möchte nicht klagen. An diesem Tag konnte man sich in der Rheinebende wohl kaum über ein etwaiges Manko dergleichen beklagen. Dennoch wussten der Regen und das miese Wetter der vergangenen Wochen ihr übriges dazu beizutragen, um dieses Mal kein Zweifel an der Bedeutsamkeit der Warnschilder zu lassen, die hier im übrigen so rumstehen. – Zwar stellt sich trotzdem die Frage, wer wirklich so viel Nervenkitzel sucht, dass er sich an einem Wehr in Deutschlands größtem Fluss des Nachmittags ein bisschen Badespaß (sagen wir mal mit einem übergroßen Schwimmreifen) gönnt? Aber man muss ja auch nicht jedes Verbotsschild mit gesundem Menschenverstand verunglimpfen.

Wie dem auch sei. Der zweite Tag hatte es also schon wieder gehörig in sich. Die ersehnte Hütte lag in nicht näher definierbarer Ferne und irgendwann neigte sich auch der neu erworbene Vorrat an gepflückten Frühkirschen dem Ende zu. Die Erdbeeren waren inzwischen eh Matsch – was dem Genuss aber in keinerlei Hinsicht etwas abtat. Trotz aller fruchtzuckerhaltigen Nahrungsvorräte, stellte sich dann etwa 15 km vor Erreichen des Ziels eine gewisse Unterzuckerung ein. Dass man in solchen Situation nicht einfach vom Fahrrad kippt, lässt sich nur durch großzügig eingelegte Vesperpausen mit lecker Schwarzwurst und Semmeln vorbeugen. Wie sagt man so schön? Langkettige Kohlenhydrate und ein paar Proteine! – Da können selbst Powergel und Energydrops nicht mithalten.

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Sonnenuntergang über den Vogesen
Irgendwann ist es soweit. Dann muss selbst ich mal ein Statement zu meiner Reise auf dem Jakobsweg kundtun. Das Bild schafft dafür nun wohl die nötige Kulisse.

Befinde ich mich auf diesem Weg aus religiösen Gründen? Bin ich religiös? Gegenfrage: Was bedeutet Religion für den einzelnen in unserer westlichen Gesellschaft? Okay, lässt sich ob der Fragestellung eh nicht pauschalisieren.

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Vielleicht möchte ich an dieser Stelle einfach mal sagen, dass ich glaube. An wen oder was? … Ist denn das so wichtig? In unserer Gesellschaft haben Menschen so oft Probleme damit an die einfachsten und rudimentärsten Dinge zu glauben. Was sehr schade ist. Wir sollten uns nicht von unseren Zweifeln verunsichern lassen. Aufzustehn, etwas durchzuziehen, daran zu glauben (trotz etwaiger Zweifel) ist sicherlich ein guter Anfang. Und ich bin mir relativ sicher. Man wird nicht enttäuscht werden. Man darf hier auch gerne mit den kleinen Dingen im Leben beginnen. Bestes Beispiel für mich auf einer Fahrradtour, mitunter sicherlich das Wetter. Das ist jetzt nun schon zum dritten Male wider aller Prognosen wunderbar. Ich habe geradezu das Gefühl, dass etwas oder jemand dafür Sorge trägt, dass ich ob aller Knieschmerzen nicht auch noch patschnass von A nach B radeln muss. Nun ist es raus. Aber man soll bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Trotzdem bin und bleibe ich zuversichtlich. Auch was meine Knieschmerzen anbelangt.

Wie gesagt, ich war an jenem Tag auch recht zuversichtlich was mein zeitiges Ankommen an der Hütte anbelangte. Diese Zuversicht wich irgendwann einfach nur noch der Hoffnung einige Kilometer vor der Hütte noch ein Landebier und etwas Wasser in einer Tankstelle aufzutreiben. Auch das war mir gegönnt. Jedoch war es wirklich die letzte Tankstelle. Da man eine 135 km Etappe mit kaputten Beinen eher ungünstig mit einem Berg beendet, hab ich drauf geschissen und Alfred einfach den Berg hochgeschoben. Dunkel war es eh schon. Oben angekommen, bemerkte ich aber recht schnell, dass ich im Grunde ja überhaupt keinen Plan hatte, wo sich die Hütte genau befindet. So weit konnte sie zwar nicht sein, aber das komische Etwas auf der Karte, was ich zuerst für die Umrisse einer Hütte hielt, stellte sich recht zügig als eingezäunter Sendemast heraus. Nun denn, immerhin an einer Mobilfunkverbindung würde es mir heute Nacht hier nicht mangeln. So stand ich also irgendwo jenseits des Sendemastes auf einer dunklen Wegkreuzung im Wald, wohlgemerkt auf einem Berg, und hatte nicht sehr viel Auswahlmöglichkeiten, denn eine jede Strecke führte wieder von dem Berg hinunter. Wenn man also nicht nochmal alles hochschieben will, sollte man sich genau überlegen, welchen Weg man einschlägt.

Ich ging kurz in mich, vergaß für eine Weile die grunzenden Wildschweine hinter mir und überlegte mir, was ich außer einer Taschenlampe denn sonst noch alles so in petto hatte. Da fiel mir der Sendemast ein und ich kramte auf Teufel komm raus ein paar Bilder von der Hütte in Google hervor. Nun wusste ich wenigstens, dass sie am Waldrand lag, was die Wegwahl schon mal ein wenig einschränkte. Ein paar nächtliche Geräusche und Stimmen führten mich dann auch schnell in die richtige Richtung aus der mir ein Hund schon fröhlich entgegen hoppelte.

Kochstimmung
So hatte ich also die Hütte gefunden. Um kurz nach 11 Uhr. Ein bisschen gemütliche Gesellschaft, hat mir der Abend dann auch noch beschert, als ich mit Lenni (so hieß glaub ich der Hund), Frauchen Lilly (?) und Herrchen (???) in die Sterne guckte. So weiß ich nun auch, dass man in Namibia um diese Jahreszeit mein Lieblingssternbild, den Orion, sieht.

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