Bergsteigen mit Alfred

11. Juli 2016

Tag 17 – Von Sainte Marie nach Rennes-les-Bains

Nach anderthalb Wochen Pause ging es heute zurück auf die Straße – nun ja, nicht nur auf die Straße – aber dazu später mehr. Mehr oder weniger, so lässt sich sagen, hielt ich mich den ganzen Tag an der Seite des Aglys auf, ein Fluss, der kurz hinter Sainte Marie bei Toreilles ins Meer mündet. Nur anstelle den Flüssen, wie sonst, Richtung Meer zu folgen, machte ich mich auf in die Berge, durchquerte Rivesaltes (wo der vorzügliche Muskatwein seinen Urspung hat) und landete irgendwann im Land der Catharer. – Ich spare mir nun irgendwelche geschichtlichen Attitüden (Wer weiß schon, ob das Wort hier passt, aber es hört sich gut an.) und kommentiere die altertümlichen Ritterburgen mit einem Foto, dass ich selbst gemacht hab. Like!

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Catharerburg
Es war abartig warm. (Eigentlich müsste man sagen „heiß“. Aber welcher Wörter soll ich mich bedienen, wenn ich erst mal in Zentralspanien bin. Also lieber die Temperaturen ein bisschen verunglimpfen, solange es noch geht.)

Tour de France
Irgendwann kam ich an der Tour de France vorbei. Das musste wohl so kommen, hatte ich mich doch schon gefragt, wo sie die ganze Zeit so bleibt. (Auf richtige Artikel und eventuelle Leerzeichen möchte ich an dieser Stelle lieber nicht näher eingehen.)

Nach einer kurzen Pause in Saint-Paul-de-Fenouillet, stellte ich wider Erwarten fest, dass mich „meine“ Tour de France durch die famose Gorge de Galamuse führen würde. Welch eine Freude! – Verfluchte ich noch vor guten 25 Jahren jeden Familienausflug in diese Ecke Frankreichs, da ich es vorzog den ganzen Tag vor dem Gameboy zu kleben und jeden Kommentar meiner Eltern, ich solle mir doch mal die Landschaft anschauen, anstatt die ganze Zeit den kleinen Figuren auf dem Bildschirm meine Aufmerksamkeit zu widmen, mit den Worten abtat „Lasst mich in Ruhe, die Landschift ist langweilig!“ (oder sowas). Heute sehe ich die ganze Sache Gott sei Dank etwas anders – zum Gameboy spielen bleibt mir während einer Fahrradtour sowieso keine Zeit.

Doch zuerst sollte ich mich, trotz einer unschönen Vorahnung, mal wieder mit der eigenwilligen Streckenplanung meines Navis auseinandersetzen müssen. Verblüfft mich immer wieder, was da noch als Feldweg durchgeht.

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Fahrradweg
Die richtige Abzweigung hinauf zur Schlucht hatte ich genau aus diesem Grund natürlich auch mal wieder verpasst und kommentierte nach eigener Streckenkorrektur, den Weg, der sich nun vor mir auftat in etwa mit den Worten: „Im Ernst? – Schon wieder!?“. Hübscher Fleck hier, dass muss man schon sagen. Perfekt für Wandertouren oder Campingausflüge in die absolute Wildnis. Nach etwa 200 Metern musste ich jedoch ob der steilen, unwegsamen Anstiege komplett passen. An eine Umkehr war aber nicht zu denken, so lud ich die Hälfte des Gepäcks von Alfred ab und schob/trug alles abwechselnd in mehreren Etappen den Berg hinauf. Ohne Scheiß, das machte mich richtig fertig. Hatte ich davor noch einen Haufen Energie um die nächsten 15 km bergauf zu meistern, blieb nach dieser Aktion allemal nur noch ein vages Häufchen davon übrig.

Gorge de Galamus
Aber immerhin hatte ich nun die Schlucht erreicht. Deren Durchgangsverkehr war im Gegensatz zu früheren Zeiten im wahrsten Sinne des Wortes reglementiert – und zwar mit Baustellenampeln. Immerhin muss man sich so nicht um den etwas unmöglichen Gegenverkehr kümmern.

Es ging fortan gnadenlos Bergauf. Eigentlich ging es das bisher den ganzen Tag, nur hatte ich das allenfalls nebenbei bemerkt. Der famose Berg von Bugarach, kündigte sich, wie ich jetzt feststellte bereits im Flachland bei Maury durch seine nicht zu verkennende schroffe Kontur am Horizont an. Auf ein Foto hatte er es ob der Entfernung und der fehlenden Kenntnis darüber leider nicht geschafft, was schade war, denn nun hing er mehr oder weniger in den Wolken.

Bugarach
Das Raumschiff, dass sich laut Erzählungen im Inneren des Berges verbirgt und die Heißen Quellen um Bugarach mit seinem Kühlwasser speist, war also drauf und dran, seine Triebwerke anzuwerfen. Soviel Dampf, wie sich da um den Berg breitmachte, musste ich mich höllisch beeilen, wenn ich die Abreise ins All nicht verpassen wollte. Also Dalli Dalli! Noch 6 km, dann geht es für den restlichen Tag eh nur noch bergab. Also ranhalten!

Bugarach
Irgendwann war es dann soweit, der Berg flachte ab und das Dorf von Bugarch lud zur fröhlichen Abfahrt bis nach Rennes-les-Bains oder unter Umständen auch irgendwo jenseits der Milchstraße ein.

l'Agly
Bevor ich mich jedoch auf Richtung Sterne machte, noch ein paar Worte zu meinem treuen Wegbegleiter des heutigen Tages (nein, nicht Alfred), des Aglys. Er begleitete mich faszinierender Weise den kompletten Tag. Anfangs als großer Strom, wo man schon mal auf eine 75 m lange Brücke zurückgreifen muss, um ihn zu überqueren. Später als „kleiner“ Rinnsal, der sich seinen Weg tief durch die Gorge de Galamuse bahnt und unzähligen Leuten beim Canyoning eine Menge Spaß bereitet. Hier, kurz vor Bugarach entspringt er am Fuße des Raumschiff-Bergs. Gespeißt durch seine Kühlwässerchen oder ähnliches fließt er 70 km später ins Mittelmeer zwischen Toreilles und Sainte Marie. Extraterrestrisch! Auf dem Bild erkennt man ihn anhand eines grünen Baumstreifens zwischen all den Heuballen, die inzwischen die Kornkreise abgelöst haben. Der Berg war nach wie vor in die Abgase seiner Triebwerke eingehüllt. Ab und zu durchbrach ein ferner Donner der Maschinen die Ruhe der Berge. – Hier fühlte man sich wahrlich wie auf den Alpen. Der Geruch der Pinien machten dem Kuhdung platz und das Zirpen der Zikaden wich dem Läuten der Kuhglocken.

Bugarach
In Bugarach begrüßte mich Paul, ein Alien, und lud vor der Abreise noch zum schnellen Selfie mit Alfred ein. Ein Hinweisschild wies darauf hin (!), man solle das Foto doch auf Pauls Facebook-Seite teilen und außerdem nicht vergessen Liebe und Frieden im Universum zu verteilen.

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Als wir die Sache mit dem Selfie hinter uns gebracht hatten, fliel mir auf, dass mich Paul, egal wo ich gerade stand, ständig aus dem Augenwinkel heraus beobachtete. Etwas beunruhigt fuhr weiter meines Weges Richtung Rennes-les-Bain, wo ich mich nun auf einem wirklich entspannten Campingplatz nieder gelassen hab. Leckere kreative Pizza gibt’s hier, inlusive ein paar Gesprächen mit Alchimisten oder ähnlichem, die mir wahnsinnig interessante aber zugleich auch unverständliche (da auf Französisch) Geheimnisse der Alchimie und deren Zusammenhang mit dem Kap Finisterre am Ende des Jakobswegs ans Herz legten. – Darüber werde ich mich mal noch genauer informieren.

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