Ein müdes Erwachen

24. September 2016

Von Sopalmo nach Las Negras

Der nächste Morgen war, wie man sich denken kann, etwas durchwachsen und ich bereute es ein wenig, nicht auf den Vorschlag des Campingplatzbesitzers gehört zu haben, mir doch einen Platz im Schatten zu suchen. Jaime war ebenfalls schon wach. Ihn klopfte sein Chef mit den Worten, er würde in die Stadt gehen, gegen 9 Uhr aus den Federn. Als ich mich von ihm verabschiedete, saß er bereits beim mittäglichen Bier auf der Terrasse. Sein Angebot, eines mit ihm zu trinken, lehnte ich dankend ab. Allenfalls auf ein alkoholfreies hätte ich mich eingelassen.

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Cabo de Gata
Bevor ich den Nationalpark „Cabo de Gata“ erreichte, führte mich mein Weg erst einmal wieder an dem so geschichtsreichen Dorf vom gestrigen Abend vorbei. Dann nochmal einen kleinen Berg hinauf und da war er, der Küstenstreifen, von dem mir alle so vorgeschwärmt hatten. Das Kap an sich war noch lange nicht in Sicht. Was sich vor meinen Augen aber abspielte, war bestimmt ebenso sehenswert.

Cabo de Gata
Nur der Pfeiler am Horizont wollte sich nicht so recht ins Gesamtbild einfügen. – Ist das hier nicht ein Naturschutzgebiet? Was hat da eine Fabrik zu suchen? – Nun, wie sich noch zeigen wird bildet der Schornstein kurz hinter dem Örtchen mit dem netten Namen Carboneras (was vielleicht auch irgendwie in direktem Zusammenhang steht) nicht die einzige Ausnahme im Nationalpark.

verlassene Hotelanlage
So zum Beispiel auch diese verlassene Hotelanlage, die nie so recht in Betrieb genommen wurde. Nein, man hatte vielmehr alles stehen und liegen lassen und sich anderen Dingen gewidmet. – Selbst die Baukräne stehen immer noch genauso unaufgehoben in der Landschaft, als hätte man nur mal kurz eine Siesta eingelegt und die weiteren Baumaßnahmen auf „mañana“ verschoben. Dieses ganz spezielle „mañana“ zieht sich nun wohl aber schon einige Jahre in die Länge. Erstaunlicherweise prangen an den Fassaden des Rohbaus Graffiti-Parolen aus einer scheinbar anderen Zeit. In großen, weißen Lettern sprechen sie sich höchst positiv für die Hotelanlage aus. – Normalerweise, so müsste man meinen, ist doch meistens eher das Gegenteil der Fall.

Cabo de Gata
Auf die Ankunft in Carboneras, eine der letzten Städte bevor sich die große, weite Einöde des Nationalparks auftut, freute ich mich den ganzen Morgen über schon sehnsüchtig, war ich doch bereits seitdem ich die Augen aufmachte, auf der Suche nach etwas Erfrischendem, was nicht so sehr nach Alkohol schmeckte.
Auch wenn meine Augen rein theoretisch recht schmal gewesen sein mussten, als ich dann endlich den Supermarkt betrat, waren sie, wie man sich schon denken kann, dann doch um einiges größer, als es der verfügbare Platz in meinem Gepäck erlaubte. Ich kaufte von Trinkjoghurt über Mineralwasser (was sich später als süßer Sprudel entpuppte), Sportlerlimonade und künstlichem Orangensaft alles ein, was mein Herz begehrte. Zusätzlich noch ein paar leckere Trauben, Pfirsiche und irgendwas aus der Bäckereiabteilung. Draußen, an meinem Fahrrad angekommen, musste ich die Hälfte erst einmal wieder verschenken, ansonsten wäre Alfred unter der Last sicherlich zusammengebrochen.

Cabo de Gata
Mit einem leicht überfüllten Wanzt (alles was nun immer noch nicht auf das Fahrrad passte, musste wohl oder übel verzehrt werden) machte ich mich auf den Weg, die Weiten des Nationalparks zu erkunden. Auch wollte ich mich, soweit ich mich erinnern konnte, hier wohl irgendwo mit Josie treffen. Sie ist nun ebenfalls schon seit ein paar guten Monaten mit ihrem VW-Bus in Spanien unterwegs und befand sich gerade in etwa der gleichen Gegend wie ich. Allerdings war sie heute partout nicht zu erreichen, so fuhr ich einfach mal auf gut Glück Richtung Süden. – Irgendwo würden sich unsere Wege schon kreuzen.

Cabo de Gata
Das Gebiet um das Cabo de Gata beeindruckt mit einer weitläufigen, wirklich trockenen Hügellandschaft. Nicht umsonst musste der Nationalpark wohl auch des öfteren mal als Kulisse für ein paar schroffe Wild-West-Streifen inklusive Clint Eastwood herhalten, so unter anderem auch für die Filme „Für eine Hand voll Gold“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“. (Oder verwechsle ich da was?) Wie dem auch sei. Der Küstenstreifen ist zudem noch mit zahlreichen kleinen Buchten übersäht, die teilweise nur über das Meer zu erreichen sind und sich vorzüglich für einen kleinen Honeymoon-Trip mit dem Kayak anbieten (so zumindest Ivan, der Künstler).

Las Negras
Irgendwann dann, irgendwo mitten im Nirgendwo bei einer gottverlassenen Tankstelle (wo ich aufeinmal doch Lust auf ein alkoholfreies Bier verspürte), bekam ich dann doch noch eine Verbindung mit Josie zustande. Man verabredete sich für den frühen Abend in dem kleinen Küstendorf „Las Negras“ und würde im folgenden einen gemeinsamen Plan (oder nicht Plan) für die nächsten Tage ausarbeiten. Kurz bevor ich unseren Treffpunkt erreichte, versuchte ich es ob einer genaueren Zielsetzung noch einmal bei ihr.
Wie sich im Folgenden sehr schnell herausstellte, hatte Josie heute keinen besonders guten Tag. Zuerst fuhr sie sich mit ihrem Bus in einem Sandloch fest, was zwar ärgerlich aber dank freundlicher Passanten zu bewältigen war. Doch leider musste sie daraufhin feststellen, das einer ihrer Hunde als Nachmittagssnack einen Angelköder verspeist hatte (inklusive des Hakens). Das war nun wirklich ein kleines größeres Schlamassel. Der Haken musste raus. Aber wie?

Sie hatte Glück im Unglück und fand am selben Abend in der Nähe noch einen Tierarzt, der nun zwar eine Nachtschicht einlegen musste, sich aber trotzdem beherzt der Sache annahm. Man verschob das Treffen also notgedrungen auf den folgenden Tag.

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