Weitab von Blei und dem Klopfen der Benzinmotoren

27. September 2016

Von der Cala del Plomo an die Cala Rajá

Nachdem der Zeh also kurzfristig verarztet, sowie das ganze Gepäck wieder verstaut war, ging es an die Cala Rajá, kurz hinter dem eigentlichen Kap. Der Weg dorthin war auf einem kurzen Stück noch abenteuerlicher als alle Wege zuvor. Tiefe Löcher klafften in der nicht geteerten Straße (von den Löchern in der geteerten Straße mal ganz abgesehen). Josie meisterte diese kleine Passage jedoch mit Bravour, nur über den Rückweg (bergauf) wollte man lieber noch keine Worte verlieren.

Cala Rajá
Belohnt wurde dieses Manöver mit wohl einem der wundervollsten Campspots, den man sich vorstellen kann: Allein, auf einem großzügigen Plateau, umgeben von hohen Bergen auf der linken und einer abenteuerlichen Küstenszenerie auf der rechten Seite. Der Sandstrand der Cala Rajá war ebenfalls nur einen Katzensprung entfernt. Hier, so entschieden wir recht zügig, würden wir auch noch einen weiteren Tag verbringen.

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Cala Rajá
Auch den Hunden, Mulan und Lynn schien es prächtig zu gefallen, hatten sie ihr Revier doch bereits in drei deutliche Kreise um den Van herum eingeteilt, denen partout kein flanierender Tourist zu nahe kommen durfte. Nur mit den Fliegen konnten wir uns abermals nicht so recht anfreunden. Sie gaben einen Dreck auf unseren abgesteckten Claim und fühlten sich weder von den vielen Schnappversuchen der Hunde, noch von dem auffrischenden Wind sonderlich beeindruckt, der zudem noch ständig seine Richtung wechselte. Um ihm zumindest während der Nächte ein wenig zu entkommen, verbarrikadierte ich mich hinter einem improvisierten Windschutz aus den Bestandteilen meines Gepäcks vor der Busfront. Zwar hatte ich freien Blick auf die Sterne, wenn der Wind dann unverhofft aber doch mal wieder seine Richtung wechselte, war ich ganz schön am bibbern.

Cala Rajá
Am zweiten Abend bekamen wir netterweise Besuch von den zwei deutschen Reisenden, Elli und Niusha (ich hoffe, ich hab das jetzt richtig geschrieben). Nach einem gemeinsamen Abendessen im Bus bei Mosta (das ist roter Traubensaft) und Wein (das war ebenfalls mal roter Traubensaft) las ich dem Trio eine teils mehr, teils weniger spannende Anekdote aus meinem Buch von Bill Bryson (Eine kurze Geschichte von fast Allem) über die Schweinerei, die sich ein Kerl Namens Thomas Midgley anno 1923 mit unserer Atmosphäre erlaubt hatte, vor. Genauer gesagt ging es um einen seinerseits praktischen und ungleich giftigen Stoff namens Tetraethylblei, den man der Freundlichkeit halber einfach nur Ethyl nannte und der damals dem ständigen Klopfen der Benzinmotoren endlich den Garaus machen sollte. Leider beschränkte sich seine destruktive Wirkung nicht nur auf das Klopfen, sondern wenn man es genau nimmt, eigentlich auf alles. Das heißt, wir taten gut daran unseren Planeten in eine Bleiwüste zu verwandeln, ehe man Ethyl als Beimischung in den Kraftstoffen 1986 dann Gott sei dank endgültig verbot. Die Generationen von heute erinnern sich wohl kaum noch daran, dass man an den Tankstellen noch „Super verbleit“ tanken konnte, was später, als das Verbot eintrat, durch die netten Worte „bleifrei“ abgelöst wurde. Wenn man es so will, war es schlussendlich nicht viel mehr als ein höchst gefährlicher Marketingstreich, der unserer Atmosphäre heutzutage allerdings immer noch um einiges zusetzt und ihr einen um ein vielfaches höheren Bleianteil beschert, als das noch vor 1923 der Fall war. Damals enthielt die Atmosphäre nämlich fast überhaupt kein Blei. Und so weiter…

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Da die Namen der Wissenschaftler, sowie die Fachausdrücke, die jene so gerne benutzen, zum Teil höchst kompliziert auszusprechen waren, verschluckte ich mich ob der späten Stunde regelmäßig bei dem Versuch, diese vorzulesen, was der eigentlich zu tiefst bestürzenden Geschichte, wenigstens den einen oder anderen Lacher entlockte.

Cala Rajá
Am nächsten Tag wollte ich nun endlich weiterziehen, entschied mich dann aber ob der vorangeschrittenen Stunde am Nachmittag doch nochmal einen Tag am Kap dranzuhängen. Außerdem konnte ich Josie, was das Manövrieren ihres Gefährts aus dem unwegsamen Gelände an der Cala Rajá anbelangte, ja unmöglich sich selbst überlassen. – Respekt! Sie schaffte es mit einem Ruck. Allenfalls ein schwarzer Mietwagen musste noch aus dem Weg geräumt werden. (Wie kann man eigentlich so bescheuert parken?) Aber das hätte der Bus sicherlich auch ohne mein Beitun hingekriegt.

Außerdem wollte ich mich am Nachmittag endlich mal wieder meinen Reiseberichten widmen, was natürlich abermals nicht funktionierte. Immerhin waren ein paar neue Ohrringe für Josie drin, so konnte ich zumindest das Herumschleppen meiner ganzen Bastelutensilien ein weiteres Mal für mich rechtfertigen. Um genau zu sein, das dritte Mal auf meiner Reise.

90 Mile Beach
Achso, wo waren wir an diesem (lass mal überlegen) 5. Abend? – Um genau zu sein immer noch am Kap, nur etwas weiter nördlich. Die Cala Rajá hatten wir, wie schon gesagt hinter uns gelassen und uns am südlichen Zipfel des Äquivalents vom „Ninety Mile Beach“ (Neuseeland) niedergelassen. 90 Meilen war dieser zwar auch nicht lang, aber Erzählungen zu folge wohl wirklich einer der längsten zusammenhängende Sandstrände Spaniens. Mulan brachte es am Ende des Tages nun endlich doch noch fertig, ihren Öko-Spielball aus Reismehl (oder etwas ähnlichem) in der Brandung zu verlieren, den ich während eines kurzen Tauchganges glücklicherweise jedoch schnell wieder fand. Ganz zur Freude von Mulan und auch Josie, die sich schon sichtlich Sorgen darüber machte, dass sich jener Ball in den Wellen nun gänzlich in seine Bestandteile auflösen würde.

Soviel also zum Cabo de Gata. – Es waren ein paar wirklich schöne Tage.

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