La cave aux bières

28. Juli 2013

Sodann, das erste Festival sei nun also hinter sich gebracht. Kurzer Zeitsprung nach vorne: Ich hab inzwischen Spanien erreicht, um genau zu sein Tossa del Mar, ein paar Kilometer nördlich von Lloret del Mar (was ja jedem ein Begriff sein sollte). Ich befinde mich also auf dem besten Weg, mein Ziel, das Rototom Festival bei Zeiten zu erreichen. Die letzten 400km sind somit angebrochen. Kilometerstand zu Zeit: knapp 1600km. Wer weiss, vielleicht gibt es einen zweiten Tausender bei Erreichen des Festivals. Wär ja zu lustig. Ich sitze in einer schnuckligen Bar, eingelassen in eine Festung über den Dächern der Stadt. Hab mir gerade die Spezialität des Hauses, einen Sangria auf Basis von Sekt bestellt und obendrein noch was von den leckeren spanischen Knabbersachen gekriegt, die man so kennt. Soviel also zum aktuellen Stand der Reise. Im weiteren hab ich nach dem gestrigen Abend das Gefühl als Restaurantkritiker durchzugehen, wenn ich auf meinem Keyboard rumtippe – also mal schauen, was mir das heute noch für einen Bonus einbringt. Gestern waren es zumindest zwei Gläser Rotwein und ein überzuckerter Zitronenkuchen.

Radarfalle
Nun denn, zurück zum Text: Sollte sich der eine oder andere mit allzu schnellen Autos in seiner 30er Zone plagen. Hier eine exzellente französische Lösung für derlei Probleme. Einfach ein bisschen schwarz-gelbes Warnklebeband auf den hauseigenen Briefkasten kleben und schon hat man eine vorzügliche Radarfallenatrappe. Funktioniert aber nur in Frankreich.

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Naturerlebnisse! (siehe Titelbild) Ho Ho! Ein Hirschkäfer! Kurz nachdem ich ihn entdeckt hatte, hat ihn der ganze Campingplatz bestaunt. Apropos Naturerlebnisse: etwas das ich ganz vergessen hatte. Ist euch schon mal ein Reh über die Strasse gelaufen. Nun ja, zumindest weiss ich dass Nisi das mal beim Boarden passiert ist. Aber zwei Rehkitze die sich zu 8 Zehnteln über die Straße trauen und einen aufgrund des geringen Lärms beim Fahrradfahren erst relativ spät bemerken, zu erleben, ist eine echt lustige Angelegenheit: Sie bleiben erst mal wie angewurzelt stehen um danach (während ich immer weiter abbremse) einige mal über sich selbst drüber stolpernd den richtigen Ausweg zu suchen. Und während das eine gleich den richtigen Weg in den Wald gefunden hatte, ist das andere noch einige Meter vor mir her gerannt. Wahnsinnig putzig.

Cuvée René
Ich verbrat hier grad die letzten Akkureste. Aber egal. Nach dem Garance Reggae hab ich mich jedenfalls erst mal gefreut einen Moment lang Abstand von all dem Festivaltrubel und Aperooo-Zeug zu finden. Tjajaah, so kann man sich irren. Ich hatte ja nicht vor, wirklich weit an diesem Tag zu fahren. Außerdem waren für 18 Uhr schwere Gewitter angekündigt. Also bin ich um 17 Uhr mal losgefahren. Unterwegs noch Aprikosen getankt und dann kurz nach der Radarfalle… ein Campingplatz, direkt am Flussufer. Warum also noch weiterfahren? – Die offensichtliche Werbung für allerlei unbekannte Biersorten an der Eingangspforte ist mir sicherlich wenn überhaupt nur unterbewusst aufgefallen, hatte aber eine gewisse Anziehungskraft, das muss ich schon zugeben. Egal, ich wollte einfach nur rechtzeitig einen Unterschlupf finden. Nur fiel mir beim Einchecken dann doch schon der übervolle, ach was, die zwei übervollen Kühlschränke, gefüllt mit diversen Biersorten auf. – Nachdem ich also mein Zelt aufgebaut hatte, machte ich mich dürstend nach einer Erfrischung auf (das Gewitter war noch lang nicht in Sicht), diese näher zu erkunden. Da ich mit alledem aber nichts anfangen konnte, fiel mein deutlicher Verkennerblick natürlich gleich auf das abstrußeste aller Biere überhaupt. Wie hiess es noch gleich? (Na auf dem Foto sieht man’s ja) Als das der Chef bemerkte, hatte er er gleich die passende Anekdote zur Herstellung dieses ungleichen Bieres aus Belgien parat und empfahl es mir mit den Worten, nur er würde dieses Gourmet-Dingens in Frankreich zum Verkauf anbieten. Wer konnte da also noch „Nein“ sagen? – Aber mal ehrlich (ich krieg’s zwar nicht mehr ganz zusammen): ein Bier das ein Weinfässern reift ohne wirklich gebraut zu werden? Das kann ja interessant werden. So interessant hat es dann auch geschmeckt. Ich würde sagen eine Mischung aus Cidre, Bier, Sekt und irgendetwas anderem. Nicht zu vergessen der Sektkorken, der sich unter dem Kronenkorken noch verbarg – zur Freude all derer, die sich ein Bier kaufen aber nie im Leben damit rechnen einen Korkenzieher zu brauchen. – Ich fühlte mich in gewisser Weise nicht minder an die eine oder andere Bier-Degustation in Frankreich erinnert. – Wenn ich nur wüsste, was der Abend noch mit sich bringen würde.

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Camping La Plage
Dieses ganz spezielle Bier hat also nicht wirklich geschmeckt. Aber es blieben ja noch etwa 20 andere zur Degustation in der Cave a Bières, wie’s so schön am Tresen geschrieben stand. Für alle, die es mir gleich tun wollen: Der Campingplatz heisst schlicht und ergreifend „Camping la Plage“ in …. „Blablabla de Roquepertuis“ etwa 20km von Bagnols (genauere Beschreibung folgt alsbald). Jedenfalls liess ich es mir nach dem Gewitter, das nun doch noch kam, fast mein Zelt wegschwemmte, den einen oder anderen Stromausfall verursachte und die eine oder andere junge Lady zum Weinen brachte, nicht nehmen aufgrund der bizarren Gläserauswahl an der Bar, noch die entsprechenden Biere zu probieren. Schliesslich hatte der Herr, Sebastian seines Namens, für jedes Bier auch das ganz besonders eigene Gefäß. Allem voran ein Glas, das von selbst nicht zu stehen vermochte sondern eines Holzständers bedurfte. WTF! Aber gut. Das höhnische Lachen der Sitznachbarn und deren Warnungen überhörte ich, als diese mich noch unwissend meiner Französischkenntnisse darauf hinwiesen, man müsse am Schluss aufpassen, dass es nicht einfach Glucks macht und man das ganze Getränk im Gesicht hat.

Camping la Plage, La Guillotine
Das letzte oder vorvorletzte Bier des Abends ersuchte ich aufgrund seines Namens aus dem Kühlschrank: la Guillotine. Was konnte da noch schiefgehen? Dazu muss ich sagen, dass ich dank des Alkoholgehalts der belgischen Biere irgendwann den Überblick verlor und meiner Frage, was ich denn nun zahlen müsse, vom Wirt mit den folgenden Worten abgetan wurde: „Du zahlst überhaupt nichts.“ 🙂 Fett danke Monsieur Sebastian!

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