Im Dreiländereck

Tag 4 – Von Bamlach nach Solothurn

Nachdem ich in dieser Nacht davon geträumt hatte, nach einem mäßig großen Banküberfall auf der Flucht zu sein, war meine Entscheidung am Morgen recht klar und ich zahlte brav die, zu meinem Überraschen doch recht horrende, Campingplatzgebühr. Denn auch wenn sich nichts von meinem ursprünglichen Vorhaben, hier heute noch zu Arbeiten, dank Funkloch und kostenpflichtiger W-Lan Verbindung verwirklichen lies, so konnte ich immerhin doch recht schnell das Weite suchen und Richtung Schweiz flüchten.

Richtung Schweiz flüchten??? – Wenn ich mich das schon sagen höre… Tztztz… Normalerweise flüchte ich immer aus der Schweiz (vielleicht auch deshalb der Traum…). Sind dort die Campingplatzpreise doch meist nochmal um das doppelte teurer als sonst wo auf der Welt. „Schweiz – Bei diesen Preisen musst du reisen!“, das war schon immer meine Devise. Die Möglichkeit heute noch zu Arbeiten stand also abermals in keinem guten Licht.

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Frühstück gab es auch erstmal keins, das Campingplatz-Restaurant hatte noch nicht offen. Leider lies auch die langersehnte Bäckerei noch für 20 km, bis ich Weil am Rhein erreicht hatte, auf sich warten. Dort angekommen, war es dann allerdings auch schon so spät, dass das Frühstück einem Döner weichen musste. Im Allgemeinen kann ich über das Dreiländereck nur abermals behaupten, dass man froh sein kann, wenn man wieder draußen ist. Es ist einfach viel zu viel los.

Als ich dann also Basel mit all seinen Baustellen und Radfahrer-Straßen-Konglomeraten endlich hinter mir gelassen hatte, führte mich mein Weg durch das schöne Liestal bis zum Oberen Hauenstein (dem höchsten Pass an diesem Tag), wie auch schon anno dazumal 2013 auf meiner ersten Radtour. Diesen nostalgischen Moment wollte ich mir wirklich nur schwer nehmen lassen, freute ich mich doch eigentliche bereits 2016 auf diesen Streckenabschnitt, musste ihn dann aber aufgrund von einer Entzündung in der Wade unfreiwillig gegen eine Zugfahrt eintauschen.

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Und ich kann mich schon wieder nur wiederholen, wenn ich sage, was für ein erquickendes Erlebnis es doch jedesmal aufs Neue ist, einen Pass zu erreichen. Es gibt selten Momente in denen man sich lebendiger fühlt!

Als „Belohnung“ oder als ob es nun doch schon wieder genug der Idylle wäre, wurde ich auf meinem weiteren Weg nach Solothurn von der örtlichen Rushhour begleitet. Dementsprechend fertig kam ich dann auch am altbekannten Campingplatz an, der sich augenscheinlich ein kleines Facelift geleistet hatte aber mit seinen 29 Franken für einen Zeltplatz immerhin noch gleich teuer war, wie vor 6 Jahren. – Einziges Problem. Die Zeltwiese war restlos ausgebucht. Alternativ wäre höchstens noch ein richtiger Stellplatz für 45 Franken drin. So die Dame an der Rezeption.

Nun ja, auch hier half wohl meine von Schweiß durchtränkte Radfahrermine. Denn ich durfte mir kurzerhand selbst ein Bild von der überfüllten Zeltplatzsituation machen. Eine Situation, die ich so nicht vorfand. Im Gegenteil. Hier war mindestens noch Platz für 5 Zelte. Also wieder zurück zur Rezeption, wo gerade ein weiterer Gast erfolgreich (!) auf der Zeltwiese eincheckte. (Wie er das angestellt hat, ist mir bis heute noch ein Rätsel.) Ich konnte nun frohen Mutes verkünden, dass da locker noch Platz auf der Wiese wäre. – Okay, soweit so gut. Nur leider war der Computer anderer Meinung. Und gegen einen Computer hat man bekanntlich wenig in der Hand. Er muss es schließlich wissen. Ob es sich nun um die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest handelt oder schlicht um einen freien Zeltplatz. Er kann unmöglich falsch liegen. Und dass mir meine Wahrnehmung hier einen Streich spielt, liegt ja offensichtlich auf der Hand. – Wie dem auch sei. Das Ende vom Lied war dann, dass ich eine ganze Parzelle für den Preis eines simplen Zeltplatzes genau neben der Zeltwiese bekam. Auch recht.

Was ich nicht erwartete, war das genaue Gegenteil vom gestrigen Campingplatz: Beste Internetverbindung dank freiem W-Lan auf dem kompletten (!) Campingplatzgelände. Nur an der körpereigenen Energie, da haperte es ein wenig. So vermerkte ich auf meiner To-Do-Liste „Arbeiten in Zukunft nur noch am Morgen“, nahm ein erfrischendes Bad im Fluß und stattete noch der örtlichen Bierbrauerei „Öufi“ (wie man das ausspricht, weiß ich auch nicht) einen kurzen Besuch ab, wo mich eine ähnliche Essenssituation wie schon ein paar Tage zuvor in dem namenlosen Biergarten erwartete. Aber satt bin ich trotzdem geworden.

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