Kamino Retrono

2. August 2016

Tag 37 – Von Santiago de Compostela nach Portos

Nun sollte es also auf dem Camino Francés zurück bis nach Logrono gehen, um daraufhin die Abzweigung am Ebro Richtung Benicasim zu nehmen. Ich war schon richtig gespannt auf die Pilgermassen, denen ich nun begegnen werde. Bereits, als ich aus Santiago hinaus fuhr, hatte ich einen heiden Spaß daran, allen einen „Buen Camino“ zu wünschen. Doch irgendwann verflüssigten sich die Pilgerströme, vielleicht war ich einfach mal wieder viel zu spät dran oder der Camino verlief hier ein wenig abseits der Straße.

Bis Arzua gibt es dem Streckenverlauf eigentlich nichts hinzuzufügen. Ich kam grob an den gleichen Punkten vorbei, wie auf dem Hinweg. Unterwegs machte ich noch kurz Halt an einem Brunnen und lernte Walter und seinen Hund Flan kennen, die gemeinsam ein Buch über einsame Momente auf dem Jakobsweg geschrieben hatten und es nun an den Mann bringen wollten. Da es auf Spanisch war, musste ich leider passen. War aber trotzdem eine nette Begegnung.

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In Arzua teilten sich dann die Wege Richtung Norden (wo ich ursprünglich herkam) und Kastilien-León. So langsam stellte sich auch ein anderes Bild am Wegesrand ein und die Pilger häuften sich. Warum sie das kurz nach Santiago nicht bereits getan hatten, ist eine gute Frage. Vielleicht verhält es sich wie bei einer Plus-Minus-Rechnung und die Pilgerströme löschen sich gegenseitig aus. Den Höhepunkt bildete an diesem Tag sicherlich eine Gruppe Japaner, die allesamt ein violettes Hemd trugen. Ich musste Anfangs schon etwas grinsen, als ich das sah. Diesen Grinsen zog sich umso mehr in die Breite, wie sich die Gruppe violetter Pilger in die Länge zog. Es müssen wohl so an die 80 Leute gewesen sein, die einen knappen halben Kilometer des Caminos für sich beanspruchten. Sie erfüllten gnadenlos alle Klischees, für die japanische Touristen so verhasst-berühmt sind. Teilweise trugen sie zusätzlich zu den Shirts derart große Schirmmützen (vergleichbar mit dem Visier eines Schweiß-Helms), dass sie vermutlich grade noch so einen halben Meter Weg vor sich ausmachen konnten, um nicht aus versehen über einen zufälligen Blumenkübel oder dergleichen zu stolpern. Den gelben Pfeilen folgte vermutlich nur die Vorhut, der Rest machte es den Lemmingen gleich. Inmitten dieser Gruppe machte ich im Vorbeifahren eine blonde, ziemlich entnervt dreinschauende Pilgerin aus, die über ihre Etappenwahl nicht gerade erquickt gewesen sein muss. Vermutlich ging sie in Gedanken gerade all die Möglichkeiten durch, wie sie die Japaner auf dem restlichen Weg nach Santiago schnellstens wieder loswerden könnte.

Marke "gelber Pfeil"
Eine andere Frage, die mir während des Tages durch den Kopf ging, war folgende: Lässt sich ein gelber Pfeil am Wegesrand eigentlich als Bildmarke rechtlich schützen? Und wenn ja, was für unzählige Abmahnverfahren würde das in Anbetracht der vielen billigen Kopien nach sich ziehen? – Man glaubt es kaum, aber es gibt eine ganz bestimmte Sorte „gelber Pfeil“, der immer wieder auftaucht. Man findet ihn zum Teil virtuos auf irgendwelche Hauswände gepinselt oder auf gefliesten Gehwegen. Auf T-Shirts, Rucksäcken und vielem mehr sorgt er immer öfter für Verwirrungen, leitet er die Pilger doch meistens hoffnungslos in die falsche Richtung.

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Eigentlich wollte ich heute noch bis nach Portomarín, um dort in irgendeiner Herberge einzukehren, bzw. in deren Garten, mein Zelt aufschlagen. Als ich kurz nach Palas de Rei jedoch bereits an einem wirklich idyllisch gelegenen Refugio irgendwo in der galizischen Hochland-Pampa vorbeifuhr, machte ich sofort wieder Kehrt, um schnell mal die örtlichen Zeltmöglichkeiten abzuchecken. Diese erwiesen sich wie abermals in San Vicente de la Barquera als sehr lukrativ. So musste ich für die Nacht allemal 3 Euro für die lang ersehnte Dusche berappen, der Rest war für Umme. Ein kleines Restaurant war auch am Start und auch die abendliche Pilgerrunde (bestehend aus zwei Italienerinnen und einem Franzosen) lies nicht lange auf sich warten und man lachte und erzählte bis in die späten Abendstunden.

Pilgern auf Französisch
Nachdem sich alle dann zu Bett verabschiedet hatten, wurde es doch recht schnell ganz schön frisch. So schaffte ich gerade mal noch einen Reisebericht, ehe auch ich mich mit den ganzen Hunden, die die Nacht in ein bellendes Konzert verwandelten, gen Zelt verabschiedete (ohne Hunde) und darauf hoffte, diese würden nun auch irgendwann einmal ins Traumland gleiten. Ob und wann sie das getan hatten, dessen war ich mir am nächsten Morgen gar nicht so sicher. Jedenfalls hatten meine Träume in dieser Nacht, viel mit Hunden und anderen Haustieren zu tun, was, wie ich mein, für sich selbst spricht. Morgens um 6 war dann zwar ganz sicher auch das letzte Bellen verstummt, wurde aber sogleich von den ersten Pilgern, die zum Frühstück vorbeikamen, durch Besteckgeklapper abgelöst.

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