La Pandilla Voladora

18. August 2013

Es ist ja nun wirklich einige Zeit her und bald bewegen wir uns schneller aufs Rototom 2014 zu, als wir uns von dem diesjährigen 2013 entfernen. Deshalb fällt es mir auch etwas schwer noch einzelne Anekdoten zu den vielen vielen Konzertbildern auszupacken. Einerseits deswegen, andererseits weil innerhalb einer Woche Festival alle Ereignisse mehr oder weniger zu einem Brei verschwimmen. Das liegt nicht etwa am Bier oder dem Gin Tonic von der russischen Superbar, wie man jetzt vermuten würde, sondern schlicht an der Tatsache, dass man Tag für Tag am selben Ort (zumindest grob gesehen) aufwacht und so die Erlebnisse zeitlich (weil auch örtlich) ziemlich durcheinander bringt. Dies ist nicht etwa irgendein Quatsch, den ich mir grad ausgedacht hab. Nein, selbst Einstein hat diesen Zusammenhang zu seiner Zeit mit der weltberühmten Formel E=mc2 ohne große Umschweife bewiesen. So gehen laut Einstein durch den großen Faktor c2 (stellvertretend für die Lichtgeschwindigkeit im Quadrat) Energieumsätze, wie sie im Alltag typisch sind, nur mit unmerklich kleinen Änderungen der Masse einher. Dieses unverständliche Kauderwelsch bedeutet im Prinzip nichts anderes als das: Sobald ich mich beim Fahrradfahren mit Über-Lichtgeschwindigkeit fortbewege (so wie ich es zu Beginn meiner Reise aus bekannten Gründen schon mal in der Schweiz vollführte) verliere ich nur relativ wenig Gewicht. Verlangsame ich jedoch meine Fahrt auf sagen wir mal eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 17km/h purzeln mir die Pfunde nur so vom Leib und ich muss schauen, dass ich jeden Abend ordentliche was zum Essen kriege. Die Zeit jedoch verstreicht immer noch schneller für mich, als würde ich komplett still stehen. Ist dies nun der Fall und ich verlangsame die Fahrt bis zum kompletten Stillstand (so wie etwa auf dem Rototom, wo man vor der Bühne höchstens noch etwas auf der Stelle hüpft) entsteht ein so genanntes Paradoxon: Die Zeit (so wie wir sie kennen) kommt dann ebenfalls zum Stillstand und ich verliere soviel Gewicht (inkl. Hirnmasse), dass ich zwangsläufig alles vergessen muss. Dieser Gewichtsverlust lässt sich nur durch exzessiven Alkoholkonsum (Kalorien) kompensieren, wobei wir wieder bei der Sache wären, aus der ich mich eigentlich versuchte rauszureden. Und genau deshalb fehlt es mir an genügend Material für die Bilduntertitel, weswegen ich im Folgenden die schönen Bilder der Konzerte immer mit dem einen oder anderen Youtube-Link zu einem Lied der darbietenden Künstler versehen werde. Da ich dies bei der letzten Band versäumt hab, hol ich das eben jetzt nach (was eigentlich alles war, was ich sagen wollte): Sodann Third World mit 96 Degrees in the Shade!

La pandilla voladora„La pandilla voladora“, eine zusammengewürfelte Gruppe maskierter Musiker aus anderen Bands. Eigentlich kann so was nur den Spaniern einfallen – von der Kleiderordnung auf der Bühne ganz zu schweigen. Das Konzert konnte also gar nicht anders als gut werden. Abgesehen davon sagte mir der Name der Band etwas. Ich wusste zwar nicht was, ich vermutete ihn jedoch ganz stark in meiner spanischen Musiksammlung, die mich diesen Sommer mit dem Rad begleitete. – Jetzt, da ich wieder zurück bin, suche ich den Namen darin jedoch vergeblich. Bis auf ein paar Jam Sessions in geselliger Runde zwischen halb leeren Pizzakartons ist im Internet meist nichts zu finden. Höchst seltsam. Hat eine maskierte Band wohl so an sich. Nun denn, zumindest ein paar der Mitglieder konnte ich enttarnen: So zum Beispiel auf diesem Bild (v.l.n.r.) Albert Pla, Jairo von Muchachito Bombo Infierno mit Maske in der Mitte und El Lichis (Ex-Sänger von La Cabra Mecánica). Vor allem Albert Pla sticht mit seiner sanften, leicht rauchigen Stimme aus dem Quintett heraus und konnte sich dementsprechend nicht sehr lange verstecken. Hier wie auch hier gegen Ende sehr schön zu hören.

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La pandilla voladoraDer, der hier gerade so ermahnend seinen Finger in die Höhe streckt, El Lichis von La Cabra Mecánica, ist auf dem Video vor allem damit beschäftigt, zusammen mit Tomasito seine Pizza zu mampfen.

La pandilla voladoraIhr könnt euch sicherlich vorstellen, was für ein Highlight dieser Abend für mich innerhalb des Rototoms – mehr noch – meiner ganzen Reise darstellte. Nicht nur, dass praktisch am laufenden Band Songs gespielt wurden, die mich zu meiner Tour inspiriert hatten und während dessen begleiteten. Nein, um dem ganzen die Krone aufzusetzen, packten die Spanier wie bereits auf dem Garance Reggae in kleiner Runde „La primavera trompetera“ aus und ich war mit 10000 anderen Besuchern so schnell vor der Bühne wie noch nie zuvor. Deshalb und weil es in meinem Album bisher noch fehlt, zum X-ten Male: La primavera trompetera!

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La pandilla voladoraWer noch gefehlt hat ist El Canijo de Jérez (Exmitglied von Los Delinqüentes, links) und Tomasito (Mitte). Damit jetzt jeder auch noch einen kurzen Eindruck davon bekommt, wie verrückt so ein Konzert wirkt, wenn die ganze Truppe nicht gerade am Pizza Mampfen ist, hier ein kleiner Auszug aus dem spanischen Fernsehprogramm. (Man beachte die eingeblendete Paella im Hintergrund, die wohl einfach nicht fehlen darf.)

Rototom SunsplashDas die Leute entsprechend am Feiern waren wenn auch mal eine spanische Gruppe die Bühne betritt, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Was ich jedoch Erwähnung finden sollte, ist, dass lokale Musik-Acts meiner Meinung nach auf dem Rototom immer noch viel zu kurz kommen, insbesondere dann, wenn man das zwanzigste Reggaekonzert am sechsten Abend gesehen hat und sich mittendrin entschließt, doch lieber eine Pizza essen zu gehen.

Rototom SunsplashUnd so nahmen die Abende ihren Lauf und man traf Leute wieder, von denen man völlig vergessen hatte, sich auf dem letzten Festival mit ihnen verabredet zu haben um sich auf diesem wieder zu treffen. Ganz zu schweigen von alten Stuttgarter Kollegen, die ihre Stammkneipe ins südliche Spanien verlagerten und einen auf Doppelgänger machten. Domme wurde das alles schon aufgrund der abnormen Sprachverwirrungen leicht zu viel. Nicht einmal mehr auf die Landessprache war verlass. So verlor er für den kleinen Moment des Fotos den Verstand.

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