Lieben und Leben in Lausanne

15. Juli 2013

Während die Holländer schon in den Startlöchern ihrer sommerlichen Anektierung Frankreichs standen, machte ich es mir in Lausanne gemütlich.

Was machen Holländer eigentlich das ganze Jahr über? Eine Invasion planen. Die nächste um genau zu sein. Was machen Holländer im Sommer? – Die Frage erübrigt sich eigentlich: Bingo spielen. Was sonst? Oder… Zingo spielen, wie ich es grade am eigenen Laib erfahren musste. Eine Abvariante von Bingo (was ist das eigentlich und wie funktioniert es?) Mit schrägen Karaokeeinlagen zwischendurch – den Rest hab ich nicht verstanden. Was ist das eigentlich für eine Sprache? Zwieunfeifzich ist doch keine Zahl wie sie Pythagoras verwendet hätte, oder?

Ich befinde mich zur Zeit etwas südlich von Valence und hab es geschafft auf einem Campingplatz abzusteigen, der mehr oder minder die Basis der hollandischen Invasoren dieses Jahr darstellt. Er wird geleitet von Holländern, es gibt ausschließlich holländische Campinggäste (bis auf einen Belgier), das Personal vom Restaurant spricht kein Französisch, von dem abendlichen Animationsprogramm ganz zu schweigen… Zu dem ist er auch noch sakrisch teuer verglichen mit dem normalo holländisch-französischen Campingplatz.

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Tja, what goes around turns aroundround, lässt es sich dann doch wieder sagen: Nachdem ich die gestrige Nacht mehr oder weniger illegal auf einem anderen holländisch-französischen Campingplatz verbracht hatte und in der Früh (gegen 13 Uhr) ohne zu zahlen abgehauen bin, rächt sich das wohl heute. Und das alles trotz meiner lobenswerten Anständigkeit am heutigen Tag, das Portemonnaie, das ich mitten auf der Straße gefunden hab unter absolut widrigen Umständen zur nächsten Polizeistation zu bringen. – Diese hatte sich nämlich eine neue Residenz genehmigt und lag (wirklich!) wahnsinnig weit ausserhalb der Stadt auf einem (wirklich!) hohen Hügel. All das wegen 10 Euro, ner Kreditkarte, ner Telefonnummer und ner Visitenkarte von nem Restaurant. Von dem zerfledderten Prada-Geldbeutel aus Mailand ganz zu schweigen. (Man muss sich an dieser Stelle wirklich Gedanken darüber machen, was sich die Diebe wohl dabei gedacht haben, die 10 Euro und die Kreditkarte einfach im Geldbeutel zu lassen bevor sie ihn aus dem Fenster ihres Autos geworfen haben?) – Vielleicht hätte ich die Visitenkarte behalten sollen, so hungrig wie ich schon wieder war.

LausanneHey Leute, das Bild ist von Lausanne aus dem Fenster von Max’s Wohnung aufgenommen. Der absolute Wahnsinn wo der Kerl wohnt! – Er hat quasi direkten Blick auf den Genfer See und möchte gerne mehr in die Innenstadt ziehen. Verstehs einer…

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Zu allem Überfluss hab ich heut kein Netz. Absolut keines. Das heisst, eigentlich schon, aber mein tolles Smartphone schafft es partout nicht sich bei irgendeinem erfolgreich anzumelden. Und so weit ab vom Schuss bin ich nun wirklich nicht. Nun ja, buchen wir es mal unter: unerreichbar für die Aussenwelt ab – hat ja auch was …trotzdem nervts. Immerhin WLAN funktioniert noch. Aber halt auch nur wenn auch eins da ist.

LausanneZu Lausanne folgendes: Lausanne ist wirklich eine schöne Stadt, hat was von San Francisco (nur in der Schweiz), sprich in Lausanne gehts eigentlich meist bergauf oder bergab – so wie überall in der Schweiz. Max hat mich am zweiten Abend etwas durch die Stadt geführt. Wichtigste Sehenswürdigkeit: die China-Läden, wo man das Bier für 2 Franken quasi geschenkt bekommt. Zweitwichtigste Sehenswürdigkeit war wohl, wie Max meinte, der örtliche Strich. Dort wird man an jeder Straßenecke liebevoll auf französisch gefragt „Tu veux faire l amour?“ – Und nirgends auf der Welt klingt das so sexy wie in Frankreich (oder in diesem fall, der französischen Schweiz). Aber es wurde immer nur Max gefragt, ich sah denen allen wohl zu abgedroschen aus. Wie dem auch sei. Die drittwichtigste Sehenswürdigkeit an diesem Abend ist sicherlich der Hafen. Aber der ist nach dem man die Chinaläden und den Strich gesehn hat wirklich zu vernachlässigen.

Max in LausanneEin Franzose (un francais) begrüßt einen übrigens immer (te salue toujours) recht herzlich (par coeur) mit dem Mittelfinger (avec le doigt qui pue) und zieht dabei (et montre) die rechte Augenbraue etwas hoch während das restliche Gesicht dir sagt, du sollest dich verpissen (un putain de visage espèce de nimportequoi de ta mère) nur um dir zu gefallen (seulement pour te faire plaisir).

Damit ist das auch mal gesagt. 😉

1 comment

  1. Pingback: La porte du soleil

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