Red red wine…

7. August 2016

Tag 42 – Von Burgos nach Navarette

Ich kann noch so früh aufstehen wie ich will, die Pilger neben mir (ob mit dem Fahrrad oder nicht) sind immer bereits abgereist. Ich wäre um diese Uhrzeit noch viel zu unbeweglich. Vor 25° aufwärts bewegen sich meine Muskeln nicht, sie strecken sich allemal.

Alfred verpasste ich nach einem schnellen Kaffee und einer abermaligen Tortilla (was bereits meine Hauptnahrungsquelle vom Vortag ausmachte) noch eine gründliche Reinigung seiner Ketten, die durch den spanischen Sierra-Staub sichtlich zugekleistert waren. Dann ging es gegen 11 Uhr los Richtung Logrono, meiner letzten Station auf dem Camino Francés.

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Der Wind hatte immer noch nicht nachgelassen, aber nach etwa 20 km würde ich einen weiteren Pass erreicht haben, der, wo immer er auch in diesem flachen Land herkommt, zumindest dafür sorgen würde, dass ich für den Rest den Tag die Gravitation meinen Verbündeten gegen den Wind nennen würde.

Hat auch eigentlich ganz gut geklappt. Zudem verlor sich der Wind zunehmend hinter all den Gebirgszügen und nachdem ich gegen 6 Uhr abends ein paar Pinchos zur Stärkung eingeschmissen hatte und mir zudem noch eine fesche neue Sonnenbrille hab andrehen lassen, drehte er völlig durch und verwandelte sich auch mal von Zeit zu Zeit in eine einigermaßen brauchbaren Rückenwind.

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Navarette
Und so meisterte ich auch die letzten Buckel ehe ich mich kurz vor Logrono in einem sich plötzlich offenbarenden Campingplatz einfand. Da ich die Schnauze komplett voll von den spanischen „Großstadt-Campingplätzen“ hatte, entschied ich mich hier, in dem kleinen, anschaulichen Ort Navarette, zu bleiben. Der Campingplatz entpuppte sich jedoch als Luxusmodell seinesgleichen, auch wenn er mich dahingehend nicht wirklich überzeugen konnte.

In zwischen sitze ich nach einem übertriebenen Abendessen mit gutem Rioja-Wein (in dieser Region als Hauswein serviert) in einem Lokal und schaue mir die Wiederwertigkeiten eines Stierkampfs im Fernsehen an. – Ich könnte noch ewig hier sitzen und warten bis der Torero aufgespießt wird. Aber es wird wohl nicht passieren. Deswegen trinke ich jetzt noch meinen Wein aus und gehe zu Bett.

Cenicero, der große Aschenbecher
Vor dem Schlafengehen noch schnell das Fundstück des Tages am Wegesrand: Hier kann man offensichtlich die Abzweigung zu dem beschaulichen Örtchen „Cenicero“ nehmen, was übersetzt nichts anderes als „Aschenbecher“ heißt. – Da wollte ich auch schon immer mal wohnen… Bekommt doch die Aussage nach der Frage nach eines Aschenbechers „Nimm den großen.“, dort eine völlig neue Bedeutung. Eventuell haben sie jedoch ein kleines Müllproblem in Cenicero.

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