Marché Nocturne – Der Nachtmarkt in Anduze

30. Juli 2013

Die Toilette des PiratenrestaurantsAm nächsten Tag schwang ich mich aufgrund der spärlichen Ernährung vom Vorabend (Ich beziehe mich hier auf das halbe Merguez-Sandwich, welches ich schliesslich doch noch für Umme bekam.) recht zeitig auf das Rad, um noch das Mittagsmenü in einem kleinen Restaurant in einer Seitengasse auszuchecken. Es ist mir schon am vorigen Abend aufgefallen, süß und schnuckelig, ein bisschen extravagant und mit einer Piratenfahne die am Eingang hängt, so wie ich das eben mag. Auf dem nächtlichen Rückweg von der Bar begutachtete ich schon mal die aushängende Speisekarte und war schon voller Vorfreude auf den nächsten Tag – „cuisine innovative“ stand da geschrieben. Genau nach meinem Geschmack – mal was anderes als ständig Pommes als Beilage. Ich bestellte glaub ich so was ähnliches wie Minutensteaks vom Schwein mit Roquefortsauce, nur viel deliziöser und als Eingang (so heisst das in Frankreich) irgendsoeinen leckeren Käse, eingerollt in nem Crêpes. Davor gabs noch ’ne Degustation von etwas Unbekanntem, was sich schliesslich aufgrund meiner Nachfrage als Euter einer Kuh outete. Soviel also zu innovativer Küche. War lecker das Euter, musste aber laut Aussage des Kochs auch 5 Stunden in nem Kessel schmoren. – Auf dem Bild sieht man den innovativen Seifenspender, den ich auf dem Klo entdeckt hab …ach so, Piratenmusik gabs natürlich auch.

AlèsHier, in einem kleinen Ort kurz vor Tarragona auf nem nich ganz so teuren, aber immer noch ordentlich preisintensivem Campingplatz geht übrigens grad die üble Party ab – im Restaurant. Ne Gruppe von guten 30 Senioren singen sich ständig irgendwelche spanischen Volkslieder vor. Aber so richtig mit Opernstimme und so. Saulustig! – Auf dem Bild sieht man das einzige was in Alès, einer meiner Ansicht nach potthässlichen Stadt, meine Aufmerksamkeit erregt hat: Ein kahler Hügel. An sich nichts besonderes mag man jetzt denken. Aber warum? Irgendwie schaut’s aus wie ein Vulkan. Ich hab jedenfalls kein Plan warum der Hügel so aussieht. Er passt schlicht und ergreifend einfach nicht in die Landschaft. Über jegliche Auskünfte bezüglich seiner Erscheinung über den Dächern der Stadt wäre ich dankbar.

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SelbstportraitDas ist der leicht misslungene Versuch mal ein Selbstportrait von mir während dem Radfahren zu schiessen. Bin ungefähr 5 mal an dem Spiegel vorbeigefahren, ehe Belichtungszeit, Fokus und Timing einigermassen gepasst haben. Ein Mann der währenddessen in einem Auto saß, an dem ich ebenfalls ständig vorbeigefahren bin, hat sich sicherlich gewundert, was das soll. Allerdings muss ich mich an dieser Stelle auch fragen, warum er eigentlich so lange in seinem Auto relativ untätig herumsaß, ehe er kurz nachdem ich mit meinem Shooting fertig war, ebenfalls das Weite gesucht hat.

Jeden Dienstag findet im Sommer in Anduze der so genannte „Marché Nocturne“ statt, ein Nachtmarkt mit Musik und gutem Essen, dessen Besuch sich auf alle Fälle lohnt.

Bahngleise in AnduzeMein Tagesziel war Anduze, wo man mich im vergangenen Sommer nach dem dienstäglichen Nachtmarkt auf eine schöne heimliche Bar (eine „bar clandestin“) aufmerksam gemacht hatte. Leider waren die Campingplätze alle viel zu teuer und außerdem zu holländisch für meinen Geschmack. Drum hab ich ein bisschen weiter gesucht und bin etwas ausserhalb der Stadt auf so etwas wie „camping a la ferme“ gestoßen, eine Art Campingplatz, geleitet von einem älteren Ehepaar, mitten in Olivenhainen am Hang gelegen und dazu noch spottbillig und sau schön. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen. Camping les Oliviers – für alle die sich mal nach Anduze verirren. Der Weg in die Stadt fuehrt an den Bahngleisen entlang, was mich umso mehr irritierte, da mir eine Frau in der Cave aux Bieres ein paar Tage zuvor von einem Todesfall auf dem Garance Reggae berichtete. Eine junge Frau hatte sich wohl mehr oder weniger auf die Bahngleise verirrte. Ich hatte der Dame an der Bar dann gesagt, das sei schon sehr traurig, aber hat sicherlich keinen Seltenheitswert. Sie meinte jedoch, die Schuld läge ganz offensichtlich beim Bürgermeister von Bagnols, der nur auf Profit aus ist und deshalb nicht genug in Sicherheitskräfte während des Festivals investiert. Deshalb würde das Festival wohl im nächsten Jahr nach Marseille verlegt werden. – Als ob es da keine Züge gäbe? Von all den anderen Dingen, die man Marseille so nachsagt ganz zu schweigen. Ich beurteile diese Aussage jedenfalls als leckeren Eintopf aus der Gerüchteküche, den sich die Leute aus der Region nach einem Festival gerne bei einem belgischen Bier erzählen. Es tut mir sehr leid um das Mädchen, aber so was passiert und kein Security der Welt kann da unter Umständen was ausrichten. Im Weiteren ist Marseille keinesfalls eine Alternative für das Festival, soviel steht fest. Punkt und Basta. – Auf diesen Gleisen hier, so stellte ich sehr schnell fest, ist jedenfalls schon Jahrzehnte lang kein Zug mehr gefahren.Camping Les Oliviers

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KatzeMeine nächtliche Begleiterin an diesem Abend – eine wirklich süße, ständig miauende Katze, die zudem auch noch ständig was von meinen Moules Frites abhaben wollte .

Nachtmarkt in AnduzeTja, der Nachtmarkt fand zwar wie gehabt jeden Dienstag statt, die Bar clandestin hatte jedoch geschlossen. Erst nächste Woche wieder. Zu schade. Also bin ich halt noch etwas über den Markt geschlendert und machte es mir in einer Strassenecke neben ein paar Musikern gemütlich.

Terra Magica auf dem Nachtmarkt in AnduzeDie Band, namens Terra Magica (wenn ich mich recht erinnere) war recht kontaktfreudig und machte es sich neben mir an meinem Tisch gemütlich. Gemeinsam trank man etwas Rotwein, performte a capella „What a wonderful world“ und stellte sich schliesslich vor. Lustigerweise kam der Bassist (der mit dem weissen Bart) aus Österreich und lebt in einer Kommune in Lozère, wo ich alsbald bestimmt mal vorbeischaue. Er hatte anfangs sicherlich nicht damit gerechnet, dass ich aus Deutschland komme. Jedenfalls war das ein wirklich hübscher Abschluss des Abends in Anduze, wo zwar wieder erwarten keine heimliche Bar geöffnet hatte, sich das nette Gespräch mit den Strassenmusikern (wie im vorigen Jahr) aber dennoch ergab.

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