Same same but different

10. August 2016

Tag 45 – Vom Lake Caspe ans Mittelmeer

Da ich gestern 15 km in die falsche Richtung geradelt war, durfte ich mich heute über ein bisschen Extra-Strecke freuen, die sich leider abermals im Zeitplan (vor allem gegen später) bemerkbar machte. In Caspe kaufte ich noch schnell ein bisschen Proviant ein und bekam als kleines Dankeschön eine gelbe Taucherbrille geschenkt. (Wer’s braucht… aber schießlich geht es heute ans Meer!) Dann machte ich mich auf, um auch die letzten Berge auf dem Weg zum Rototom hinter mich zu bringen. Etwa 550 m sollen diese hoch sein. – Ein Klacks, wenn man bedenkt, was ich hinter mir habe. – Kein Klacks, wenn man ein weiteres mal bedenkt, was ich hinter mir habe: Die gestrige Strecke mit 207 km machte sich heute zunehmend in meinem allgemeinen Energiebefinden bemerkbar. So war ich zwar anfangs noch kräftig motiviert bis ans Meer zu radeln, am Schluss jedoch nur noch gewillt, darin zu baden.

Zwischen dem Mittelmeer und mir machte sich nun eine hohe Gebirgskette bemerkbar. Ihr sei es gedankt, dass ich es nicht so recht glauben wollte, was mir das Streckenprofil meines Navis da offenlegte: Anscheinend geht es nach dem 550 m Pass nur noch geradewegs bergab. Aber wo? …wenn all diese Berge dazwischen sind.

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Ich folgte also mal blindlings meinem Navi. Irgendwie wird es mich schon zu überzeugen wissen. Und siehe da: Ich landete geradewegs auf einem Naturpfad, der so genannten „Via Verde de la Terra Alta“, des oberen Ebro-Gebirges.

In Spanien kleckert man nun wirklich nicht gerade, was gemütliche Fußgängertunnel oder dergleichen angeht, um auch dem Wanderer von heute zu einer gemütliche Alpendurchquerung zu verhelfen. Was man hier jedoch angestellt hat, grenzt abermals an Maßlosigkeit. So zählte ich am Ende der Strecke nicht nur einen, auch keine sechs, sonder alles in allem in etwa 30 Tunnel, die ich mit dem Fahrrad durchquerte, um mich einer schönen, gemütlichen Abfahrt gen Mittelmeer zu erfreuen.

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Als Fußgänger ist es vielleicht etwas öde, die Hälfte der Strecke in relativ feuchter Dunkelheit zurückzulegen, als Fahrradfahrer freut man sich jedoch über die frische Luft und die tollen, neuen Ausblicke, die nach jedem Tunnel auf einen warten. Wer diese Gegend noch nicht kennt, sollte sie sich bei einer möglichen Passage wirklich nicht entgehen lassen und ein oder zwei Tage am unteren Lauf des Ebro verbringen.

So ging es zwar stetig bergab, allerdings kam ich trotzdem nicht wirklich voran. Alle paar Meter musste ich anhalten, um ein Foto zu machen. Entweder im Tunnel oder außerhalb des Tunnels. Leider erfreut sich nun ein anderer all der schönen Bilder (mir wurde ien paar Tage später meine Kamera geklaut) und mir bleibt allemal übrig, euch diese pittoreske Landschaft ansatzweise zu beschreiben. (Was ich nun im folgenden aber doch lieber bleiben lasse. Da würde mich sonst nur die Wehmut packen.)

Zwar hatte ich mir vorgenommen, heute noch bis nach Vinaros zu fahren, aber eigentlich war das wirkliche Ziel ja das Meer. Deswegen entschied ich mich recht zügig, einfach auf dem erstbesten Campingplatz, den ich an der Küste antreffen würde, einzukehren. So verbrachte ich die Nacht auf dem Camping „Alfacs“ kurz vor Vinaros, wo in den 70er Jahren offenbar ein Tanklaster hineingerast war und alles zur Explosion gebracht hat. Man hat dann einen Film „Tarragona“ darüber gedreht, den man sich vielleicht anschauen sollte …oder auch nicht.

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