Ein ganz normaler Tag

11. Oktober 2016

Von La Viñuela nach El Torcal

Zwar gehört es nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, Berge, die ich am Vortag herunter geradelt bin, am nächsten Tag wieder hinauf zu fahren. Aber was soll man schon machen? In einen Sitzstreik verfallen? Und darauf vertrauen, dass allein der Glaube Berge bewegt? – Nun ja, ich denke selbst jeder noch so strenggläubige Pilger weiß, dass er damit nicht weit kommen wird.

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Auf halber Strecke den Berg hinauf entschied ich mich zudem noch, eine doch recht frühe Pause einzulegen. Die rasselnden Geräusche, die von Alfreds Getriebe zu mir empor drangen, konnten nicht wirklich etwas gutes verheißen. Irgendwie schienen sich die Kette und Zahnkränze auf den letzten Kilometern vor Cádiz wider erwarten zunehmend in die Wolle zu kriegen. Eigentlich müsste die Kette noch locker bis zum Ziel durchhalten. Da die vorderen Zahnkränze jetzt aber schon knappe 10000 km auf dem Buckel haben, war ich mir etwas uneinig darüber, wie sich das in Kombination so verhält. Eine ordentliche Ölung würde fürs erste sicherlich nicht schaden. Und auch der Berg hätte dann das Nachsehen, wenn es nach getaner Arbeit wieder wie geschmiert über ihn hinweggeht.

Sierra Nevada
Als ich also oben angekommen war, versuchte ich ein letztes Bild von der leicht unförmigen Erhebung der Sierra Nevada zu machen, ehe sie komplett am Horizont verschwindet (was man auf dem Bild jedoch allemal als leichten Wolkenschleier vermuten kann).

Daraufhin verfuhr ich mich ein wenig innerhalb eines Umkreises von 500 Metern in stetigem hin und her und begegnete in diesem Zuge gute 4 Mal denselben Spaziergängern am Straßenrand. Diese wussten wohl auch nicht so recht, wo es langgeht, obwohl einem die Straße eigentlich nicht viele Auswahlmöglichkeiten ließ.

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Ich meinerseits war auf der Suche nach einem Feldweg, der hier irgendwo links abgehen müsste. Irgendwann fand ich ihn dann, inklusive zweier Hunde, die mich ein gutes Stück begleiteten und am liebsten mit aufs Fahrrad gesprungen wären. Dank der ganzen Herumfahrerei hatte ich nun immerhin auch einen Mülleimer gefunden, wo ich mein Sammelsurium an Straßenunrat wieder loswerden konnte.

süßes HundebildDann ging’s abwärts und wie so meist, nur, um kurz darauf wieder bergauf zu gehen. Diesmal leider auf einem eher unpässlichen Feldweg.

Feldwege sind wirklich schön: so nah an der Natur. Und nur selten muss man absteigen, um diese Nähe aufrecht zu erhalten. Sie können allerdings auch ganz schön nervig sein. Vor allem dann, wenn man es ein wenig eilig hat und sie sich nebst munteren Schlaglöchern verdrießlich in die Höhe winden. Selbst die Sierra Nevada war da mitunter ein leichteres Unterfangen.

FelderAber sei’s drum. Der Campingplatz „El Torcal“ stand bereits vor der Tür und ich alsbald vor seiner. Dabei blieb’s dann aber erstmal. Den sonst so üblichen Schlagbaum und das Häuschen, das einen auf einen Plausch über die Personalien einlädt, suchte man hier vergebens. Überhaupt hatte ich hier schon wieder das Gefühl, auf einem Dauercampingplatz mitten im Nirgendwo gelandet zu sein. Alles schien irgendwie verlassen und belebt zugleich. Wo ist hier verdammt nochmal die Rezeption? Und warum geb ich mir überhaupt die Mühe, sie zu suchen?

Irgendwann fand ich sie dann, hinter einem riesenhaften, leeren Pool, der auf Google Maps schon auch mal als See durchgeht und inmitten eines wagemutigen Restaurantkomplexes. – Was ja an sich nicht schlecht gewesen wäre, hätte nicht alles geschlossen gehabt.

Für mich haben sie die Rezeption dann doch nochmal geöffnet. Ich wusste nur nicht so recht, ob ich mich darüber freuen sollte oder nicht. Schließlich verfrachtete man mich für einen doch recht stattlichen Preis auf eine brache Fläche am Fuße eines noch stattlicheren Berges, der nicht gerade beruhigend auf mich wirkte. Steinschlag hin oder her, ich konnte an der geschlossenen Bar immerhin noch ein leckeres, deutsches Weißbier abstauben.

Während ich dann also unter einem Olivenbäumchen auf dem Boden saß und Weißbier aus Festivalbechern trank, kam mein einziger Nachbar in Sichtweite auf mich zu und lud mich prompt zum Abendessen ein. (Karma?) Ich wollte, wie man sich denken kann, nur ungern ablehnen, hatte ich doch so gut wie keine Vorräte mehr. Der nächste Supermarkt lag zudem ’ne gute halbe Stunde entfernt in Richtung Dorf und auf dem Campingplatz herrschte tote Hose. Aber ne Flasche Wein musste her. So ganz mit leeren Händen wollte ich dann doch nicht aufkreuzen.

BausündenDiese zu besorgen, grenzte dann doch an einer kleinen Herausforderung. Der Supermarkt schied schonmal aus und das nötige Personal, das man für die kurzzeitige Öffnung der Bar brauchte, musste erst noch gefunden werden. Irgendwo zwischen den verschiedensten sanitären Anlagen war es zugange, offenbar erfolglos die Warmwasserboiler zu reparieren. Die restlichen Bausünden hatte man inzwischen wohl einfach hingenommen. (siehe Bild)

Belohnt wurde das ganze Unterfangen mit ein paar leckeren Oliven und ner Tüte Chips, quasi als Gratis-Dreingabe zur Flasche. Mit Lorrain, meinem Nachbar aus Lausanne, tauschte ich mich im Verlauf des Abends dann über ein paar Sehenswürdigkeiten aus, die sich niemand auf seinem weiteren Weg entgehen lassen sollte. Wir sprachen über das Wetter, Extremsportarten und Portugal. Ehe ich mich dann irgendwann mit der restlichen Flasche Wein auf den Weg zur Terrasse des Restaurants machte, um einen Bericht über die Sierra Nevada zu schreiben, der mir einen heiden Spaß bereitete. 🙂

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