The Last Police Stop

20. März 2014

Eine ganz unmögliche Eigenart auf gambischen Straßen besteht darin, etwa alle 10 km Straßensperren, sprich Police oder Military Check Points einzurichten. Als sei das unbedingt nötig. Wahrscheinlich will man dem landesweiten Fernverkehr ab und zu einfach etwas Abwechslung bieten. Das ganz große Stichwort hierbei (und alsbald Modewort des neuen Jahrtausends) heißt: Entschleunigung! – Bremsen. Anhalten. „Hallo“ sagen. Nochmal „Hallo“ sagen. Unter Umständen so lange „Hallo“ sagen bis sich alle Insassen im Auto mit den umsässigen Polizisten oder Militärs begrüßt haben. Nochmal „Hallo“ sagen. Und weiter fahren. … Oder aber Solomon gibt im Verlauf einen seiner Verse zum besten: „Me I am Lutenan Shaka! Me I promote no guns! What I promote is my microphone! Brrrraaaaap!!!“ Was immer zu recht freundlichem Gelächter und ab und an auch mal zu einer Drogenkontrolle geführt hat.

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Straßensperre

Zwischenstopp in Soma. Nicht zu verwechseln mit Sotchi. Auch wenn die örtlichen Toiletten gewisse Gemeinsamkeiten aufweisen und dementsprechend sehr viel Wert auf eine gemeinsame Sitzung gelegt wird.

Toiletten à la Sotchi

Nach etwa 190 km und etlichen Stops war es dann soweit. Police Stop 20 km hinter Soma. Bremsen. Anhalten. Eier braten. – Den Polizisten hätten wir damit bestimmt eine Freude gemacht, hätten wir in Soma nur ein paar frische eingekauft. Aber wer konnte schon ahnen, dass der Kühler fortan lieber Grill sein will. Vor allem da man in Soma doch ordentlich viel kaltes Wasser in das leckende Kühlsystem geleert hat. (!) Hand aufs Herz, das einzig kalte war zu dieser Stunde noch das Bier im Kofferraum. Und das hatten wir nach einem etwas längeren SMS-Dialog mit Domi in Deutschland, diversen Tests und Anlassversuchen auch nötig.

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Was man sonst nur aus Filmen kennt, passiert einem unter Umständen auch schon mal selbst. Wenn auch nicht komplett in der Wüste, so doch zumindest fast. Man erinnert sich in diesem Moment – dann, wenn großzügig Rauch aus dem Motor emporsteigt und der Anlasser nur noch ein entsetzliches Keuchen von sich gibt – leider nie an den Teil der Filme, in dem der tolle Held das Auto mit wenigen Handgriffen wieder in Schuss kriegt und hat eben gleichzeitig leider auch höllisch viel damit zu tun diese ganz bestimmte Reihe von Bildern aus dem Kopf zu kriegen, wie ein Protagonist nach dem anderen unter kreisenden Geiern zusammenbricht und es den tollen Held schon längst beim Selbstversuch, den immensen Durst mit Kühlwasser zu löschen, dahingerafft hat. Nur hatten WIR nicht mal Kühlwasser! Nein, wir hatten was besseres! Und zu guter letzt sogar noch das Glück einer schick improvisierten Abschleppfahrt zu völlig überhöhten Preisen.

Es geht weiter

So ging es also zurück Richtung Soma. Wir hatten es bis hier hin geschafft und nicht weiter. Mein bisher zweiter Versuch nach Georgetown zu gelangen, scheiterte an einer kaputten Wasserpumpe, viel zu viel Zweikomponentenkleber und, wie sich fast schon erahnen lies, einer zerborstenen Zylinderkopfdichtung. Der erste scheiterte aus Zeitgründen.

Gefreut haben wir uns trotzdem! Zunächst noch über die Abschleppfahrt und wie sich bald herausstellte vor allem über reichlich kühles Bier.

Gemeinsam sind wir stark

Was sich natürlich sonst nicht vermeiden lässt, lässt sich auch auf einer Strecke von 20 km ins nahegelegene Soma nicht vermeiden. 10 km später wartete der nächste Police Stop auf uns. Reichlich ungeschickt stellte sich vor allem unser Abschleppdienst an, als er nach reichlichem „Hallo“ sagen, beschloss, seine Fahrt wieder aufzunehmen – uns im Schlepptau. Reichlich verwundert war in diesem Moment vor allem der Polizist, der gerade im Begriff war uns zu begrüßen. Dem aber die abrupte Art, wie wir seine Begrüßung nicht erwiderten, äußerst missfiel. Ganz ehrlich, auch uns stockte der Atem, denn Pa war es bisher mit einer konstanten Vehemenz unmöglich, das Abschleppseil straff zu halten, was jetzt auch nicht unbedingt besser funktionierte. Reichlich ungestüm war dann auch das Getöse, das insgesamt unter den Polizisten ausbrach, als wir ohne „Hallo“ sagen einfach so verschwanden. Das dies weniger aktiv sondern eher passiv geschah, interessierte zu diesem Zeitpunkt ganz ehrlich ÜBERHAUPT niemand. Was sich hingegen auf einmal großen Interesses erfreute, war der Zeitplan des Fernfahrers, der sich über diesen und die spontane Suche nach illegalen Gütern in unserem flüchtigen Auto seitens der Polizei gar nicht erfreute und schon dabei war das Abschleppseil zu kappen als letztendlich doch noch alles irgendwie klappte…

Abschleppdienst

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