Totalschaden

13. August 2013

Meine erste nennenswerte Panne überhaupt ereignete sich kurz hinter Barcelona. Die Reparatur schien so leicht nicht zu sein…

Dieser Tag sollte als gefühlt längster in meine Reisegeschichte eingehen. Das Hostel von anno 1847 konnte angesichts dessen nicht anders und warf schon mal einen Jahreszahl in den Raum. Im Anschluss fand noch eine kleine Fotosession mit ein paar Bauarbeitern statt, die mir netterweise die Tür offen gelassen hatten, so dass ich mich nicht wie bei meiner Ankunft (mit Hilfe zweier Passanten) durch die enge, schwere Eingangstür drücken musste. Schon lustig wenn man zusammen mit seinem Fahrrad in einer Tür stecken bleibt. Wie dem auch sei. Es ging weiter. Das Frühstück hatte ich jedoch verpennt. – Ein paar Tage später klärte mich Domi (dem ich vorab schon mal ne Unterkunft in Barca klar gemacht hatte) jedoch darüber auf, das ich wohl nicht wirklich was verpasst hatte. In diesem Sinne. Bye bye Barca!

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So was oder so was ähnliches wäre mir angesichts dieser Aussicht sicher durch den Kopf gegangen, wenn Alfred nicht einige Meter später einen Totalschaden angemeldet hätte:

En el camino de la esperanza
Buscamos nosotros mismos
Perdido en la impaciencia
Si detenemos a mirar encontraremos
Encontraremos una historia que es similar
Pero todo da vuelta en ese momento
Y está sucediendo otra vez

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In spanischer Poesi sollte ich mich aber sicherlich noch ein wenig üben.

PanneSodele. Kilometer 1723 kurz hinter Barcelona: Freilaufkörper im Hinterrad gerissen. – Mal schauen ob ich das noch irgendwie hinkriege oder mir lieber ein paar schöne Tage in Barca mach…

Orginalkommentar des Cyclisten: „Hey Leute. Habe gute Neuigkeiten. 🙂 Just in dem Moment als ich das Telefongespraech mit Jens von Radsport Koch zwecks Repaahhhr (ahhh, die Loeschen-Taste funkrtioniert nicht mehr) …zwecks Reparaturanweisung beendet hab (mit derInfo,ichkoenne hier wohl nichts machen) hat sich der Freiaufkoerper, oh wunder, wohl von selbst wieder eingerenkt. Alfred brauchte wohl nur ne kurze pause und ein paar wohlwollende worte 😉 ich konnte fortan ( obwohl ich es kaum glauben konnte) ohne probleme weiterfahren und das mit einem festt.. grr fetten grinsen auf dem gesicht :)))) habe heute wie geplant taragona errei ht ^:)))) rototom ich komme!!!!!!“

TarragonaTarragona – ein wirklich hübsches Urlaubsörtchen. … Moment… jetzt muss ich doch mal kurz revidieren: Naja, Tarragona ist eigentlich nicht so besonders, aber viel schlimmer, ich hab mich total vertan!! Das ist ja schon der nächste Tag! Ähhhhh…..? Also, ehe hier niemand mehr durchblick: Dieser (!) Tag sollte als gefühlt längster Tag in meine Reisegeschichte eingehen. Nicht der davor. Der bestach aber sicherlich als Tag mit der schwerwiegendsten Panne, dafür aber sehr gutem Abendessen.

Da es über Tarragona wirklich nicht viel zu schreiben gibt und der letzte Tag hier vor allem durch seinen Mangel an Fotos besticht, an dieser Stelle also noch etwas zu den gestrigen Geschehnissen:
Bis man den Weg aus Barca heraus gefunden hatte, dauerte es ein wenig. Und als man das dann endlich geschafft hatte, kam man nicht umher, ein gutes Stück wieder zurück zu fahren, da ein paar Bauern wohl der Meinung waren, es sei besonders lustig, einen Zaun über den Feldweg zu bauen. Auch wenn man sich noch am ersten Zaun frei nach dem Motto: „Und rüber über die Rüben“ vorbei schummeln konnte, der zweite veranlasste einen dann doch zur Umkehr. Nach gehabter Panne an pittoresker Küste und einem ganz neuen Gefühl für Entfernungen, fand ich mich einige mehrere Kilometer später in recht bekannter Umgebung im Schatten eines Xiringuitos wieder und trank ne Cola. Der nette Rasta an der Bar paffte elektrische Zigaretten und sein Musikmix hatte eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem, den ich Michi anno 2011 in seinem spanischen Xiringuito-Sommer zur Belustigung seiner Chefin mitbrachte. Virales Musik-Marketing nennt sich sowas. Abends fand sich dann, nachdem ich mich in einem Wohngebiet verirrt hatte, schließlich doch noch ein vergleichsweise günstiger Campingplatz. Es gab gutes Essen bei choralen Seniorengesängen, nette Nachbarn und einen wohlsortierten Supermarkt. Die freundliche Bedienung legte mir als Alleinreisenden, die abendliche Schaumparty ans Herz, irrte sich aber dermaßen in der Uhrzeit, dass der übrig gebliebene Schaum nicht mal mehr für die Katzenwäsche kurz vor dem zu Bett gehen reichte.

Miami BeachWäre das damals in Amerika mit den Spaniern, den Briten und den ganzen anderen zankenden Conquistadores anders gelaufen, würde man heute in Florida dieses Ortsschild vorfinden.

Costa Dorada
Wie bereits gesagt: Der Tag war lang, die Strecke uneben – und zwar sehr. Ich konnte mit der kleinen Zigzack-Linie auf meinem Navi anfangs noch nicht wirklich viel anfangen und war eigentlich froh den großen Zacken dank eines kleinen Tricks recht schnell hinter mir gelassen zu haben. Nach einer kurzen Brotzeit neben der Autobahn wurde mir allerdings schnell klar, warum ich nun allen Grund hatte, diese Strecke zu verfluchen. Über eine geschätzte Strecke von etwa 20km ging es alle 200m etwa 5m runter und danach wieder 5m rauf. – In etwa als würde man durch lauter Flussbetten durchfahren. Ätzend! Mann, war ich froh, als ich das Meer sah. Aber gleich darauf gings natürlich wieder hoch…

lange Schatten zu später StundeLang an diesem Tag war nicht nur die Strecke. Sondern gegen später auch mein Schatten und kurz darauf mein Handtuch, das sich zum ersten mal während der Fahrt von selbst abgewickelt hatte und so meiner Badehose den Weg in die Freiheit ließ. Lang war auch der Ärger der Autofahrer, die ihrer Aufregung über den Fahnen schwenkenden Radfahrer mit lautstarkem Gehupe freien Lauf ließen. Noch länger war der Ärger jener Autofahrer, deren Wegstrecke an diesem Tag von einem Radfahrer blockiert wurde, der am Straßenrand leicht verwundert sein Handtuch wieder zusammenlegte. Lang war auch der Rückweg, bis ich meine Badehose wieder gefunden hatte. Und sehr sehr lang war der Weg bis zum nächsten Campingplatz, auf dem ich ausnahmsweise nur deshalb einen kleinen Abstellplatz zwischen zwei verrosteten Wohnwägen bekam, weil ich so spät mit dem Rad noch unterwegs war. Immerhin. Sehr lang war auch das allabendliche Speisen im Restaurant und deshalb auch die Rechnung, was sich aber wunderlicherweise nicht in dem Preis bemerkbar machte. Zuletzt hatte ich noch eine wahnsinnig lange Nacht vor mir. Zwar hatte ich mir guter Dinge vorgenommen extra früh ins Bett zu gehen, konnte aber aufgrund der Großraum-Disko, die etwa 100m hinter meinem Kopfende dröhnende Chart-Musik von sich gab, sehr lange nicht einschlafen. – Sehr lustig. Gestern wollte ich noch in die Disko, heute raubt sie mir den Schlaf. Mein Entschluss für das nächste mal stand fest… Aber es waren ja nur noch 2 Tage bis zum Rototom. 🙂 Und wer da nachts schläft, ist selber schuld.

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