Tropische Gefühle im Ebrodelta

15. August 2013

Huch! Wo ist nur die Zeit geblieben?!? Ich brauch ja zum nachtragen der Reise länger als für die Reise selbst. Manchmal frage ich mich aber auch: Wer liest hier denn eigentlich noch mit? – Gut, als ich noch unterwegs gewesen bin, war alles natürlich um Längen spannender: Wo ist der Tobi? Schafft er’s noch zum Rototom? Kommt er überhaupt wieder zurück? Wo war er letzte Nacht einen trinken? – All das sind Fragen, die 2 ½ Monate nach meiner Rückkehr etwas belanglos anmuten. Ich hatte mir auch kurzzeitig mal überlegt alle übrigen Fotos einfach so oder mit vereinfachten Untertiteln zu posten… aber mal ganz ehrlich, wo bliebe denn da der ganze Spaß? Und wenn nicht eurer, dann zumindest meiner. Also muss ich euch leider enttäuschen und euch mit festem Entschluss mitteilen, dass das letzte Bild meiner Reise zwar nicht zwangsläufig, aber aufgrund der bisherigen Erfahrungswerte wohl erst gegen Ende des Jahres die breite Öffentlichkeit erblicken wird. Aber es soll ja noch Wunder geben. Und überhaupt: Was wäre ein Trip durch Spanien ohne eine Stierkampf-Arena? Und was wäre eine Stierkampf-Arena ohne Sonnenblumenkerne? …etc. etc.

Reisfelder im EbrodeltaHatte ich es nicht irgendwann schon mal angekündigt oder zumindest nebenbei erwähnt? Reisfelder, große Reisfelder. Mitten in Spanien ein saftiges Grün, die Ausläufer des Ebrodeltas umschlingend.

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der EbroWas gibt es da sonst noch zu erwähnen? –  Vielleicht der wahnsinnig einfallsreiche Einfall, die einzige Stadt mitten im Delta eben genau so zu nennen: Deltebre; die Brücke (die man auf dem Bild nicht sieht), die erstens nicht gesperrt und zweitens im Vergleich zur vorherigen Stierkampf-Arena überaus modern im Baustil gehalten war, weit ab von Mad Max und Co.; das überaus schwüle Klima, dass sich ähnlich einer Zeitblase aus einem tropischeren Erdzeitalter in dieser Gegend des sonst doch so trockenen Spaniens breit machte und dank der vielen Bewässerungskanäle auch noch eine wahre Stechmückenplage mit sich brachte; die unermessliche Einfältigkeit der Landschaft, die man während einer Radtour von Weil der Stadt nach Stuttgart verspüren würde, wären die Feldwege dort einerseits flach und andererseits mit Monokulturen gesäumt; das Glück eine weitere Magenverstimmung vermieden zu haben, da sich ein Abernten des Reises in absehbarer Zeit sicherlich nicht gelohnt hätte; meine augenblickliche, unglaubliche Leidenschaft für Doppelpunkte und Semikolons.

Frau auf StuhlGäbe es in diesem Bild ein paar mehr verirrte Diagonalen, ließe sich die Beschreibung ohne Probleme auf „Frau mit Hut“ runter kürzen. Da diese aber fast gänzlich fehlen, muss ich doch noch kurz etwas zu einer nicht ganz belanglosen Einzelheit loswerden: Man sieht in der Verlängerung der gelben Diagonale am Horizont eine Insel die keine ist. Obwohl sichtbar keine Verbindung zu irgendeiner Landmasse besteht, kann ich hier nur auf die wirklich auslaufenden Ausläufer des Ebrodeltas und den damit verknüpften Link verweisen: Punkt A kennzeichnet die Frau, Punkt B die Insel.

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StrandpromenadeIch sehe was, was du nicht siehst: ein wirklich großes Betonwerk, das sich am Horizont auf einer Strecke von etwa 4 Kilometern ins Meer schlängelt. Nur um das noch mal festzuhalten: Abbaugrube und Beladestation sind 4 km voneinander entfernt und durch ein ganzes Sammelsurium an Förderbändern miteinander verbunden. Würde man gezielt einen Stein in diese ganze Maschinerie werfen, könnte man auf der Autobahn fortan in einem Sandkasten spielen. – Wer das Betonwerk entgegen meiner Wahrnehmung doch nicht sieht oder mir einfach nicht glaubt, der überzeuge sich selbst. Etwas weiter südlich der „Frau auf Stuhl“ ist es kaum zu übersehen.

komische FrüchteIch habe diese Früchte am Rande eines üppigen Gartens mit allerlei Orangen und Kaktusfeigen aus genau drei Gründen heraus erst (wirklich mies) arrangiert und dann fotografiert: Erstens hat mir ihre Farbgebung absolut zugesagt. Zweitens musste ich aus dem selben Grund leider auch davon absehen sie zu essen (ja genau, nicht alles, was man auf dem Boden findet, gehört auch in den Mund). Und drittens wollte ich spätestens zu Hause nachsehen, ob ich nicht vielleicht doch einen kleinen Happen hätte probieren können.

Und siehe da! Wenn ich bei der Google-Reverse-Bildersuche das Bild hochlade und als beschreibenden Text zusätzlich noch „Spanien“ eingebe, kommt Google zu dem Ergebnis, dass es sich hier wohl um das spanische Nationalgericht handele. Zu dumm nur, dass ich nicht zugeschlagen hab.
Nachtrag: Google hat inzwischen wahrscheinlich an seinen Algorithmen rumgespielt, was zum Resultat hat, dass nun viel mehr ein paar leckere Invertebraten anstelle der Paella auf der Speisekarte stehen. Auch nicht schlecht. Nur ob man die auch im großen Stil essen kann? – Mit nem Braten liebe Leut, haben Invertebraten nämlich mal so ziemlich gar nichts am Hut.

PeniscolaDas hier meine lieben Damen und Herren ist die spanische Ortschaft Peniscola, wohlgemerkt mit Betonung auf dem „i“. Mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen, bis auf dass es hier unwahrscheinlich schwierig ist einen Geldautomaten zu finden und ich unbedingt mal durch Peniscola durchfahren wollte, nachdem ich bisher auf der Autobahn immer nur dran vorbeigefahren bin und meinen Mitfahrern zugerufen hab: „Hey, schaut mal! Hier geht es nach Peniscola!“ – Was meist mit mehr oder weniger müdem Gelächter kommentiert wurde.

Sandskulptur in PeniscolaUnd das ist wohl eine der abgefahrensten Sandskulpturen, die ich in Peniscola je gesehen hab. Aber fragt mich nicht was Harry Potter (der sich unten links hinter einer Eule aus dem Bild drängelt) mit einem Abklatsch der örtlichen Festungsanlage zu tun hat. Tut es nicht!

Parc Natural de la Serra d'IrtaEin Münchner Pärchen (das um dem Gegenwind zu trotzen, frecherweise nach Valencia flog, jetzt nach Deutschland zurückfährt aber auch alle guten Partys verpasst) legte mir vergangene Nacht wärmstens eine Strecke ans Herz, die ich sowieso fahren wollte. Warum ich das erwähne? Weil es nochmal richtig steil bergauf ging. Zwar zum letzten mal aber dafür auch so steil wie es sich für ein letztes Mal auch gehört. Um nicht zu sagen: am steilsten (so, jetzt aber genug). Schieben, so hatte ich schon sehr lange begriffen, macht hier keinen Sinn mehr. Also nahm ich den Berg stiller Hoffnung, hinterrücks nicht gleich wieder umzukippen, in Angriff – sehr zum Erstaunen einiger mutiger Autofahrer, denen ich fluchend auswich. So langsam kam ich meinem (letzten!) Tagesziel näher: Nach endlosen Reisfeldern, schwerindustriellen Uferpromenaden und peinlichen Touristenhochburgen erwartete mich nun ein Campingplatz der von den Ortskundigen als „für die Münchner Schickeria“ bezeichnet wurde und nach meiner eigenen Erfahrung an diesem Abend zwar etwas teuer war, aber ein durchaus gemütliches Restaurant mit Blick auf den Pool bot, an dem man bis in die späten Nachtstunden noch so lange sitzen und an seinem Tinto Verano schlürfen konnte, wie der nette deutschkundige Besitzer nebenan in seiner Zeitung las. Der Strand, den ich am nächsten Morgen in Erwartung eines erfrischenden Bades aufsuchte, enttäuschte jedoch. Was wiederum die liebevolle Ausgestaltung des Campingplatzes erklärt. Man beachte hierzu die Ähnlichkeit der beiden folgenden Fotos.

Parc Natural de la Serra d'IrtaDie Küstenlinie des Parc Natural de la Serra d’Irta. Schroff, karg und mit wilden Hunden.

Parc Natural de la Serra d'IrtaDer Strand unterhalb des Campingplatzes im Parc Natural de la Serra d’Irta. Zwar ohne wilde Hunde, dafür schroff und karg. Nichts für Barfußgeher und meiner Meinung nach eine noch kargerer Version der bereits gezeigten Küstenlinie.

Eigentlich steh ich ja auf sowas. Aber nicht heute. Heute gehts zum ROTOTOM! 🙂 …da brauch ich meine Füße noch.

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