Verloren in Barcelona

12. August 2013

Der nächste Tag begann recht gemütlich mit einem ausgedehnten Frühstück. Es folgten 20 wahnsinnig gemütliche Kilometer bis Barcelona – diesmal auf der richtigen Seite der Eisenbahnlinie. Und weil ich es wirklich nicht eilig hatte, radelte ich auch noch ein paar Meter aufs Meer hinaus, anstatt immer nur dran vorbei zu radeln.

Die 3 Türme von BadalonaIch hab mich ja schon eine ganze Weile gefragt, welches imposante Bauwerk Barcelona schon aus weiter Ferne ankündigt, während die eigentlichen Sehenswürdigkeiten (die man so kennt) noch am Horizont verblassen. La FECSA ENDESA de Badalona (genauer genommen Sant Adria, einem Vorort von Barca). Ein Industriedenkmal direkt an der Küste, dass noch seines gleichen sucht. Zuerst begegnen einem 2 große rechteckige Kuben (hinter der Palme). Innen sind sie so ausgeschlachtet wie ein Kürbis kurz vor Halloween und von außen weisen sie eine seltsame Ähnlichkeit mit den unförmigen Raumschiffen der Borg auf. Ein beeindruckender Anblick. Ich musste erst mal ne Minute innehalten und dann noch ne zweite bis ich beschlossen hatte, dass der Winkel zum Fotografieren wirklich äußerst ungünstig war. Ein paar hundert Meter weiter begegneten mir dann die sogenannten drei Türme von Badalona, um die sich das ganze Trara eigentlich dreht. Behalten oder abreisen? Schöne Strandpromenade oder Museum? Tja Leute, macht doch beides! Abreisen wär jedenfalls irgendwie schade. Aber renovieren solltet ihr die Dinger bevor ihr ein Museum draus macht. Ich jedenfalls würde mich nicht ohne Helm in so einen Turm rein trauen – was da alles von der Decke hängt… Lange Rede kurze Sinn, jedenfalls war dieser Industriekomplex vor nicht allzu langer Zeit noch ein fröhlich vor sich hin qualmendes Wärmekraftwerk. Interessant jedoch vor allem der Betrieb, der in dieser Ruine offensichtlich noch herrschte, während ich vorbei radelte. Mit Sicherheit die betriebsamste Ruine aller Zeiten.

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BarcelonaAuch zwei imposante Bauwerke, die man leicht übersieht, wenn man sich Barcelona nicht gerade wie ich auf dem Strandwege von Norden her nähert. Links der Telekom-Tower und rechts das Museu Blau, ein naturwissenschaftliches Museum, auf dessen Dach – betrachtet man es in Google Maps – ein paar Teiche angelegt sind. (?) Nun ja, man schaue und staune.
Nachtrag: Die Teiche scheinen inzwischen wohl ausgetrocknet zu sein.

Kommen wir nun zu jenem Bild Barcelona’s, das etwas geläufiger ist und wohl jeder kennt. Deswegen muss ich ja auch nichts weiter drüber schreiben.

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Der Markt von BarcelonaZu den Dingen, die man in Barca auf keinen Fall verpassen darf, gehören mit Sicherheit die Markthallen des Mercat de la Boqueria. Um Folgedepressionen zu vermeiden sollte man am besten (wie es sich übrigens auch für andere Markthallen empfiehlt) mit mindestens 100 Euro hinein gehen, um im Anschluss mit vollem Bauch und leerem Geldbeutel aber ungemein sonnigem Gemüt wieder hinaus zu gehen.
Interessant auch, was einem am Ausgang für Promo-Jungs abfangen: Mit Flyern bestückt, laden sie dich exklusiv in den (aufgrund der etwas undurchsichtigen Gesetzeslage Kataloniens) noch recht neuen Cannabis-Club Barcelona’s ein, in dem man für 50€ Eintritt, einen Abend lang wohl so ziemlich alles rauchen kann, was das Herz begehrt. Nach kurzen Grübeln über die Seriosität dieses Angebots hab ich dann aber dankend abgelehnt: Erstens ist das meiste Bargeld schon in der Markthalle draufgegangen (das sonnige Gemüt war mir somit eh gegönnt) und zweitens zahl ich für nichts 50 Euro, was man auch am Straßenrand finden kann.

Also gut Barcelona. Die letzten Jahre hab ich mich ja nicht gerade geziert dich zu besuchen. Den Überblick, dachte ich, hatte ich mir somit längst verschafft. Wie man sich nur irren kann… Zum Hostel hab ich irrwitzigerweise immer wieder zurück gefunden, was nicht ganz unwichtig ist. Alles andere war aber ungefähr genau so unauffindbar wie Michis Autoschlüssel am Strand von Ste Marie anno 2002 oder das Zion Garden Festival in Bagnols sur Cèze. Versucht in Barca auf keinen Fall etwas zu finden was ihr gerade sucht! Man kommt immer nur zufällig daran vorbei. 5€ Flip Flops; Leinenhosen; genau die Bar, in die ich heute mittag auf der Suche nach etwas anderem hineingestolpert bin: All das ist unauffindbar, obwohl es das meiste in Barca doch eigentlich an jeder Straßenecke in rauhen Mengen gibt.

Bar in BarcelonaDie Innenstadt Barcelonas glich an diesem Tag einem Irrgarten. An zig Bars, an zig Plätzen, Shops und Bettlern kam ich die ganze Zeit vorbei (und das mehrmals), nur nicht an dem, was ich eigentlich suchte. Das wird umso schlimmer, je später der Tag bzw. der Abend wird. Die komische Zettelbar vom Nachmittag hab ich zwar schließlich mit 2 bis 3 Stunden Verpätung gefunden, war aber von der ganzen Lauferei so geplättet, das es nur noch für ein Glas Wein gereicht hat, ehe ich mich auf den Heimweg zum Hostel gemacht hab, das glücklicherweise zu den wenigen Dingen zählte, die ich ja immer auf Anhieb fand. Zudem hatte ich in der Bar nach meinen Anstrengungen ungelogen ein kleines Willkommes-Laudatio erwartet (zumindest nach dem ich dem Barkeeper von meiner 3-Stunden Suchaktion erzählt hatte). Der blieb aber aus. Ich hätte vielleicht noch den Hinweis „Diese Bar findest du am ehesten, wenn du gar nicht danach suchst“ auf einen der vielen Zettel schreiben und an die Wand heften können. Aber, so dachte ich, ist das ja mit den meisten Dingen im Leben, und verlies die Bar schweigend.

BarcelonaEgal was man in Barca so maches Mal nicht findet, was man findet, übertrifft dieses zum Teil noch an Absurdität. So zum Beispiel diese hübsche Ampelanlage in der Fußgängerzone. Klar, könnte ja mal ein Auto vorbei fahren oder eine von den nun wirklich schwer zu übersehenden Reinigungsmaschinen, die Nachts in Barca so ihre Runden drehen. Ich möchte an dieser Stelle aber auf den Pfeiler verweisen, der in etwa auf gleicher Höhe wie die Ampeln in der Mitte der Straße emporragt und hervorragend zum Abstellen der Bieres taugt, das man gerade von einem der vielen Pakistanis erworben hat. Eine einfache Rechts vor Links Regelung hätte es somit auch getan.

Bevor ich das Thema Barcelona abschließe möchte ich noch kurz drei Dinge erwähnen, die mich in den herrlich angenehmen Nächten Barcas immer verwundert oder erstaunt hatten:
1. Wo wir gerade dabei sind. Abgesehen davon, dass es mindestens so illegal in Barca ist, nachts Bier auf den Straßen zu verkaufen, wie Marihuana – wie schaffen es die Pakistanis, dass sie trotz der teils warmen Nächte immer ein gut gekühltes Bier aus einer Plastiktüte zaubern und es dir freundlich anbieten? Verbirgt sich hinter dem vielleicht eine ganze logistische Kette, angefangen von Kühltruhen in Hauseingängen bis zu mobilen Eisboxen in Autos?
2. Bewundernswert ist die Sauberkeit der Straßen bei Tage, was aber nicht weiter verwundert wenn man mal des nächtens einer barcelonesischen Putztruppe begegnet ist. – Am besten man hat schnell ein Paar Gummistiefel zur Hand.
3. Ich werde mich noch lange daran erinnern, wie die Polizei uns anno 2011 zu nächtlicher Stunde vom Strand scheuchte: Unauffällige Pfeiler entlang der Promenade verwandelten sich nach dem Abnehmen der Frontabdeckung in eine ganze Batterie von Wasserwerfern, deren Fontäne gute 50 bis 100 Meter weit reichte. Davon waren genug da um den ganzen Strandabschnitt nass zu machen und jede auch noch so kleine Gitarrengruppe von eben jenem zu vertreiben. Nur warum? Sagt man somit auf die freundlich, leicht erfrischende Art: „Jungs, es ist Zeit Heim zu gehn!“ oder besteht die Absicht allein darin, den Strand vor dem Eintreffen der Reinigungsmaschine etwas einzufeuchten, damit man Nachts nicht die ganze Stadt vollstaubt und die Putztruppe eine zweite Runde drehen müsste? Oder eine Kombination aus beidem? Man weiss es nicht.

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