Zielgerade!

16. August 2013

Zielgerade! Mit Domi und den letzten Resten seines Akkus hatte ich mich an diesem Morgen noch zu einem kleinen Wettrennen verabredet. Er mit dem Zug von Barca und ich mit dem Rad die letzten 40km. Treffpunkt 14:30 am Bahnhof in Benicassim.

Der Weg zum RototomDoch erst mal ging es für mich durch üble Touristenmetropolen und lange, weite Wege, entlang an von der spanischen Wirtschaftsflaute gezeichneten Gehöften im Sumpf. Irgendwo wehte eine spanische Flagge und teilte mir mit, dass ich mich inzwischen auch endlich auf spanischem Boden befände. In Katalonien würde man für eine Anmaßung derleier Art gehängt werden. Und ganz hinten am Horizont sieht man bereits den Rototom-Berg.

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BrezelIch war nicht alleine unterwegs in den Sümpfen. Auf dem Weg kam mir eine Fahrradfahrerfamilie entgegen, die hastig auf irgendetwas entlang der Strecke zeigte. Ich hielt natürlich sofort an um sehen, was das war. Ich machte zwei Dinge aus, die mein näheres Interesse erweckten: Einmal eine Brezel in Form einer Schlange…

wilde Tomaten…und zum Zweiten einen Strauch wilde Tomaten am Wegesrand. Hmmm… Beides was zum Essen. Ich hatte zwar als Proviant noch ein paar Haselnüsse aus den Haselnussbaumfeldern hinter Tarragona in den Taschen, erinnerte mich aber schmackhaft an die leckere, sonnengewärmte Tomate die ich einst aus einem kleinen Garten in den Cevennen stibitzt hatte. – Klare Sache, meine Wahl fiel auf die Tomate. Und jetzt mal was wissenswertes über spanische Tomaten bzw. Tomatenfelder: Es gibt sie in Massen! Es gibt so viele Tomaten, dass sich die Besitzer (so scheint es) teilweise einen Dreck drum scheren, sie zu ernten. Vielleicht können sie sie auch einfach nicht verkaufen. Aber zwischen den ganzen Reihen an Tomatensträuchern lagen mindestens genauso viele Tomaten auf dem Boden und verrotteten, wie an den Sträuchern hingen. Eine Schande! – Nun ja, vielleicht war es dieses Jahr auch einfach nur die falsche Züchtung, wie etwa diese Wegesrandtomate. Diese schmeckte jedenfalls zum Kotzen! Ich musste sie sehr schnell wieder ausspucken und den verbliebenen Geschmack mit ein paar wilden Brombeeren runterspülen. Wohl bekomms.

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Fahrradweg nach BenicassimDas schöne an der letzten Wegstrecke war, das vor Benicassim zwar ein Berg auf der Karte eingezeichnet war, aus einer üblen Laune der Menschheit heraus aber plötzlich gänzlich fehlte. Glück für den geplagten Radfahrer. – So konnte ich mir in dem auf die Schlucht folgenden Tunnel ein Johlen nicht verkneifen.
PS: Angenehm frisch so ein Tunnel.

Benicassim, ZielgeradeKaum war ich aus dem Tunnel draußen, ein ungewohnter Anblick: Regenwolken über Benicassim?! – Bin ich hier richtig? Hier hat es die letzten Jahre nie geregnet und doch sollte dieses Rototom zu einem der nassesten Festivals hier ever werden. Und damit auch zu einem der angenehmsten. 🙂 Doch dazu sofort. Momentan waren die Wolken noch relativ außer Reichweite und ich musste mein Rennen noch gewinnen. Knappe 10 min bis halb 3!

RototomIch hab gewonnen. Etwa eine ¾ Stunde saß ich am Bahnhof und knabberte Nüsse bis die verspätete Bahn endlich um kurz nach 3 in Benicassim eintraf. Es hat etwas wahnsinnig verrücktes, vor über einem Monat in Deutschland aufgebrochen zu sein und jetzt seine Kumpels am Zielort vor dem Bahnhof abzuholen. Mir schwebte zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur eines im Sinn herum: Zum ersten Mal hatte ich wirklich ein Gefühl für die Entfernung bekommen, die man zurücklegen muss, um jeden Sommer pünktlich zum Festival hier zu sein. Ein wahnsinns Gefühl! 🙂 Und schön seine Leute wieder zu sehn! Die „Einsamkeit“ hat ein Ende! Und das wird nun gefeiert! Eine Woche lang! Und noch mehr! 😀

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