Das beladene Rad

Was gehört ins Gepäck? – Der Packlisten-Guide für die Fahrradreise

Man könnte meinen, nun sei es ziemlich klar. Alles, was hier aufgelistet ist, wird auch wirklich gebraucht. Weit gefehlt!

Denn auch hier gilt:

Rot = Das kannst du getrost zu Hause lassen.
Gelb = Nimm es nur mit, wenn du dir sicher bist, dass du es wirklich brauchst.
Grün = Wenn du das nicht einpackst, bist du selbst schuld.


1. Ein Wanderstock (Pilgerstab)

Wie wir sehen, verleihe ich meinen einleitenden Worten sogleich erstmal etwas Nachdruck: Ein Wanderstock auf einem Fahrrad??? Wer braucht denn sowas??? – Die Antwort: Keiner. Ganz klar. Höchstens als Accessoire oder um sich kläffende Hunde vom Leib zu halten. Aber mal ganz im Ernst, es gibt auch Leute die fahren in ihrem Auto mit Plüsch-Lenkrädern rum. Und das braucht nun wirklich auch keiner!


2. Etui für Sonnenbrille

Sieht man nicht so gut, befindet sich aber oberhalb der Umhänge-Tasche an dem Gurt, der die Tasche fixiert.


3. Halterung für Umhängetasche inkl. Umhängetasche

Diese universelle Halterung* ist auch mal schnell per Knopfdruck abmontiert. So muss man nicht immer das ganze Gurt-Geraffel entwirren, wenn man mal schnell einen Einkauf erledigen will und das Fahrrad Draußen abschließt.

Der passende Adapter für den Lenker gibt es hier*. (Wichtig: Auf den Durchmesser des Lenkers achten!)

Über die Tasche, die ich verwende, hab ich bereits im Artikel „Der persönliche Safe“ ein paar Worte verloren.


4. Zelt und Foto-Stativ

Wie man sieht lassen sich diese beiden Gepäckstücke vorzüglich unterhalb der Halterung mittels eines Spanngurtes anbringen. Hat leider den Nachteil, dass, wenn man, wie oben beschreiben, schnell Einkaufen will, das ganze Handtaschen-Zelt-Stativ-Konstrukt mit in den Supermarkt nehmen muss. Aber dafür gibt es ja Einkaufswagen.

Weiter Infos zu Zelt und Fotostativ findet ihr in den Artikeln „Die Utensilien einer Übernachtungsmöglichkeit“ und „Fast alles andere…“


Cockpit

5. Das Cockpit

Wie man sieht geht es selbst auf einem Fahrrad nicht mehr ohne moderne Technik. Man kommt sich schon fast vor wie im Kontrollzentrum eines Flugzeugträgers. Nun ja, ganz so schlimm ist es nicht. Alles in allem doch eher recht übersichtlich:

Das Smartphone für die Navigation ist zentral am Lenker in einer Regenschutzhülle* angebracht und so hervorragend zu Bedienen. Allenfalls bei starker Sonneneinstrahlung wünsch man sich die Schutzhülle weg, spiegelt sie doch ganz ordentlich und trübt die Sicht auf die Navigationsinstrumente ein wenig. Bei Regen relativiert sich das aber auch wieder ganz schnell. Den Halter für die Regenschutzhülle findet man hier*.

Dahinter ist zwischen Taschenhalterung und Smartphone der perfekte Platz für die kleine Musik-Box, die mit einem Karabiner an der Halterung fixiert ist. (Nun ja, das stimmt so nicht ganz. Auf dem Bild sind wohl die Erdbeeren an den Platz der Musikbox gerückt.)

Rechts am Lenker ist die Hupe* (laut). Links die Klingel (leise) und der Tacho.

Die Erklärung der restlichen Bedienelemente eines Fahrrads erspar ich mir an dieser Stelle. Jeder der in Erwägung zieht, eine Radreise zu starten, sollte eigentlich nicht in die Verlegenheit kommen, hier nochmal nachlesen zu müssen, wo sich zum Beispiel die Hinterbremse befindet.


6. Isolations-Röhren

Oft für eine Art überdimensionierte Gabel-Federung gehalten, selten für riesige Feuerwerks-Sprengsätze (die an einem Fahrrad nun wirklich nichts verloren haben)…

Die schlichte Wahrheit ist: Es handelt sich hierbei um einfache Abflussrohre, die ich aufgrund der Ermangelung von Möglichkeiten meines Fahrrads, mehr Gewicht auf die Vorderachse zu bringen, an der Federgabel (mittels Kabelbindern!) montiert hab. Isoliert mit den Hosenbeinen eines ausgedienten Neoprenanzuges und etwas Alufolie erhält man so zwei perfekte Gefäße für die in Frankreich und Spanien handelsüblichen 1,5 l Wasserflaschen. Dank der Isolierung hält sich das Wasser den ganzen Tag lang recht kühl und ist zudem auch noch immer griffbereit. Wenn man möchte kann man außer den Wasserflaschen auch noch ein bisschen anderen Kram in den Röhren verstauen. So zum Beispiel etwas zum Essen (oben rein) oder ein paar hübsche Steine (unten rein).


7. Tasche für Krimskrams

Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist eine kleine Tasche* mit unbestimmtem Inhalt am Fahrrad zu haben. Sonst müsste man sich wirklich jedes Mal Gedanken machen, WO man WAS reinpackt, wenn man schnell mal irgendetwas unterbringen will.

Einzig und allein das Vorhängeschloss für das Stahlseil-Schloss und die Anti-Reibungs-Creme haben hier immer ihren festen Platz.


8. Stromversorgung

Auch genannt USB-Kraftwerk. Eine tolle Erfindung! – War sie zumindest … solange bis die Smartphone-Modelle immer mehr Strom brauchten um überhaupt noch in den Lademodus zu schalten. Sprich, 2014 konnte ich damit noch vorzüglich mein Handy während der Fahrt laden (der nötige Strom kommt übrigens vom Naben-Dynamo). 2016 sah die Sache leider schon ganz anders aus. Das Handy ignoriert das USB-Werk ganz einfach. Abhilfe schaffen die sogenannten Akkupacks. Es ist zwar etwas umständlich, aber sie lassen sich immer noch hervorragend mit dem USB-Werk laden. Im Idealfall hat man zwei davon (z.B in der Tasche mit dem unbestimmtem Inhalt direkt daneben) und kann so simultan Handy und Akkupack mit Strom versorgen.

Als Alternative für das USB-Werk, welches nur 1A Ladestrom liefert, bietet Busch & Müller das sogenannte E-Werk* an. An diesem lassen Spannung und Ladestrom individuell einstellen, was einem immerhin schonmal ein halbes Ampère mehr einbringt. Um böse Überraschungen während der Reise zu vermeiden, sollte man es allerdings vorab lieber nochmal auf seine Funktionalität hin testen.

Zwar besitzt das E-Werk im Gegensatz zum USB-Werk keinen integrierten Pufferakku*, dieser lässt sich allerdings ohne Probleme nachrüsten. – Der Pufferakku wird beispiesweise dann benötigt, wenn der Ladstrom unter der minimalen Geschwindigkeit, die zum Laden benötigt wird (in etwa 15 km/h), erhalten bleiben soll.


9. Trinkflaschen

…schmecken leider immer irgendwie eklig nach Plastik. Und je wärmer das Wasser in ihnen wird, desto mehr… und mehr…

Konsequenz: Die Lust auf ein kühles Landebier steigt bis ins Unermessliche.


10. Schlaufen-Pedale

Wer nicht gerade mit Klick-Schuhen auf Europa-Tour gehen will, sondern lieber nur 1 Paar Schuhe mitnimmt, dem empfehle ich ganz klar ein paar Schlaufen an den Pedalen. Kostet nur einen Appel und ein Ei und ist zudem, in Bezug auf die Leistung, ein ganz klarer Gewinn. Dank ihnen, kann man beim Fahren, ähnlich dem Prinzip der Klick-Pedale, außer Druck auch noch Zug auf die Pedale ausüben. Das fordert zwar etwas Übung, aber man wird schnell merken wie leichtfüßig nun mancher Berg zu bewältigen ist.

Allerdings sei man auch gewarnt: Ich bin auf meinen Reisen nicht nur einmal im Stand umgefallen, weil ich meine Füße nicht rechtzeitig aus den Schlaufen bekommen hab. Verletzen tut man sich dabei zwar kaum, allerdings kann es mitunter sehr verwirrend für etwaige Passanten erscheinen, wie man da versucht, sich, ähnlich eines auf den Rücken gefallenen Insekts, unter einer Fahrradlast von 50 kg zu befreien.


11. Extra-Fahrradständer

Kein Plan, ob sowas wirklich wichtig ist. Bei mir ergab es sich mehr aus einem Zufall heraus und seitdem möchte ich ihn mir  nicht mehr wegdenken. De facto kippt so ein schwer beladenes Fahrrad schon mal ziemlich leicht um. Falls man sich also mit nur einem Fahrradständer zufrieden gibt (was zum Großteil der Fall sein wird), sollte die Wahl auf den hinteren fallen. Der ist einfach stabiler. Bricht dieser jedoch irgendwann mal in zwei Teile und kauft man sich dann einen Ersatz-Ständer (in diesem Fall einen mittleren), lässt man sich sinnvollerweise den hinteren Ständer nachliefern, montiert ihn, behält den mittleren und hat fortan zwei Ständer. Das ist die ganze Geschichte. Nicht mehr und nicht weniger.


12. Solar-Akkupack

Wie bereits erwähnt, hat das Solarmodul auf dem Akkupack im Generellen keinen großen Sinn gemacht. Aber wenn es schon mal da ist, dann wird es auch eingesetzt. Das hat allerdings nur dazu geführt, dass schlussendlich alles auf meinem Fahrrad kompliziert (und ich meine wirklich kompliziert) miteinander verkabelt war. Aber es funktionierte. Immerhin.


13. Hinteres Ober-Gepäck

Wer einen besseren Namen dafür weiß, soll ihn mir bitte schreiben.

Eigentlich wollte ich auch nur nicht die Gitarre nochmal separat auflisten. 😉 Interessant wird’s also erst beim Packsack*: Hier kommt so gut wie alles rein: Schlafsack, Isomatte, Klamotten, Kopfkissen und noch ein bisschen anderer Kram, der gerade so reinpasst. Wichtig: Schlafsack und Isomatte hab ich dabei nicht einzeln komprimiert, sondern ineinander gerollt. Das Volumen war mir egal. Wichtig war mir vielmehr die Stabilität des ganzen Gebildes. Die Beutel mit den Klamotten wurden dann irgendwie noch seitlich dazu gestopft. Auch sollte alles am Ende nicht zu schwer sein. Denn im Idealfall sollte der Schwerpunkt des beladenen Fahrrads – so merke man sich – möglichst nahe am Boden sein.


14. Kleine Tasche für Reparaturzeug

Wie schon gesagt: Eine kleine Tasche* für Reparaturzeug und Kettenöl. Irgendwie zwischen dem Sattel und dem Gepäckträger angebracht. Und auf alle Fälle aus dem Weg, sollte man sie nicht doch mal brauchen. (Auf dem Bild sieht man sie eigentlich gar nicht, so geschickt ist sie zwischen Sattel und Gepäckträger befestigt.)


15. Pumpe und Schloss

Die Pumpe ist auf der einen Seite vom Gepäckträger angebracht. Das Fahrradschloss auf der anderen (mittels Spannfix). Ich entschied mich aufgrund der Empfehlung meines Fahrradhändlers für eine recht langes (1,8 m), ordentlich dickes (1,2 cm) Stahlseilschloss* und bin damit seither recht gut gefahren. Dank der Länge kann man es um fast alles schlingen (selbst dicke Bäume) und auch noch die Fahrradkomponenten (Vorder- und Hinterrad) abschließen. Natürlich würde man es mit dem entsprechenden Werkzeug knacken können. Aber das, so meinte der Fahrradhändler, könne man auch mit allen anderen Schlössern auf dem Markt. Zusätzlich zum Stahlseil benötigt man noch ein ordentliches Vorhängeschloss, welches eigentlich in jedem Baumarkt zu finden sein sollte.


16. Zwei Gepäcktaschen

Wasserdicht und simpel. Ohne irgendwelchen extra Außenfächer. Und das ist auch gut so. Ist ja eh schon alles ordentlich in Packsäcken organisiert. Wozu also noch die extra Fächer?


17. Reifen

Als Bereifung kann ich die Marathon Mondial* von SCHWALBE empfehlen. Die Erfahrung spricht für sich: Ich hatte noch nie einen Platten aufgrund irgendeines spitzen Gegenstandes, der sich durch den Reifen gedrückt hätte. Und das nach nun bereits 15 000 km. (Klare Sache: Die Reifen halten natürlich keine 15 000 km. Vor allem nicht bei entsprechender Beladung.)


18. Alfred

Alfred ist der Beste! Ihn gibt es kein zweites Mal! Für alle die eine ähnliche Tour machen wollen kann ich seine Brüder und Schwestern aus dem Hause BERGAMONT aber durchaus empfehlen. Zwar wird das Modell von Alfred „Vitess LTD“ nicht mehr produziert aber es gibt mit Sicherheit vergleichbare Produktionsreihen. Wendet euch einfach an den Fahrradhändler eures Vertrauens. Denn eine gute Beratung beim Fahrradkauf ist durch nichts ersetzbar. Außerdem kann einem der Fahrradhändler sein Wunschfahrrad präzise bis ins letze Detail zusammenstellen. Bei einer Bestellung im Internet ist das in diesem Ausmaß sicherlich nicht möglich.

PS: Wie konnte es anders sein… das wichtigste hab ich natürlich vergessen: Den Reflektor-Pfeil für die Drehrichtung. Denn nur so kann man sich sicher sein, dass es auch immer vorwärts geht! 😉

4 comments

  1. Comment by RadtourenChecker

    RadtourenChecker Reply 19. Dezember 2018 at 22:21

    Wunderschön! Fahrradkunst1 🙂

    • Comment by Tobi

      Tobi Reply 21. Dezember 2018 at 17:54

      🙂

  2. Comment by Beatrix

    Beatrix Reply 18. Oktober 2019 at 13:09

    Hi ganz herzlichen Dank für deinen tollen Beitrag den ich gerade total amüsiert und inspiriert verfolge; hab auch eben erst eine Tour durch die Normandie hinter mir und verstehe dich voll und ganz und hab übrigens auf die Pedale Haken. Da gebe ich dir recht mich hat zwar nichts damit umgehauen aber fast.
    das mit dem Fahrradständer ist einfach genial das hätte ich vorher wissen sollen 😉
    Mein Bike ist nämlich auch umgefallen zwecks schwerem Gepäck und hat mir mein Schaltwerk zerstört .
    Und mit Frankreich gebe ich dir recht ist immer eine reisewert mit dem Rad.
    Herzliche Grüße aus Freiburg Beatrix

    • Comment by Tobi

      Tobi Reply 21. Oktober 2019 at 10:05

      Hi Beatrix. Danke für deinen Kommentar. 🙂 Freut mich, dass dir meine Berichte/Beiträge gefallen. – Ja das mit der Stabilität von einem schwer beladenen Rad ist schon so eine Sache. Vielleicht klappts ja in Zukunft mittels eines zweiten Fahrradständers etwas besser. 😉
      Viele Grüße, Tobi

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