Highway to Heaven

6. Oktober 2016

Vom Pico del Veleta bis zum Camping las Lomas

Der Morgen verwöhnte uns mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Nur in meinem Schlafsack war es angenehm kuschelig. Ich nahm in jener Nacht Rüdiger Nehberg beim Wort und zog mir widerwillig all meine Klamotten aus, legte mich quasi nackig in den Schlafsack und umwickelte diesen mit eben jenen Klamotten. Das war perfekt, fast perfekt. Natürlich entwickelten sie sich während der Nacht wieder und lagen morgens neben mir statt auf mir. Den wohlig warmen Temperaturen tat das aber nichts ab.

Sierra Nevada
Andreas wollte es ganz genau wissen und trat gegen 6 Uhr morgens eine kleine Expedition zum Pico de la Veleta an. Er wollte sich den Sonnenaufgang vom Gipfel aus anschauen. Ich gab mich schläfrig. Nur ganz kurz schaute ich gegen 7 Uhr aus meiner Koje, unternahm einen kurzen, fröstelnden Spaziergang zu einem etwas kleineren Gipfel, stellte unterwegs mit Erstaunen fest, dass sich auf den Pflanzen, die in solcher Höhe noch wachsen, Raureif abgesetzt hatte und mit noch mehr Erstaunen, dass die Kälte meinen Kamera-Akku nun fast in die Knie zwang.

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Andreas hatte nicht so viel Glück, er konnte zwar den wunderschönen Sonnenaufgang bestaunen, sein Handy war ob der Kälte aber wirklich nicht mehr zu gebrauchen. So blieb für ihn alles eine schöne Erinnerung, während ich mich nochmal in meinen Schlafsack bequemte und die Erinnerungen in meinen Träumen herum wälzte.

Sierra Nevada
Irgendwann gegen 9 Uhr drangen dann endlich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen zu uns vor. Es stand ein wunderschöner Tag bevor. Ein Glück, dass ich mich gestern dazu entschieden hatte, die Abfahrt auf heute zu verschieben. Gegen etwa 10 Uhr verabschiedete sich das Trio dann voneinander und jeder ging seines Weges.

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Sierra NevadaIch war überrascht, keine 100 m und ich befand mich auf einer geteerten Straße die zum Gipfel hinauf und ebenso ins Tal hinab führte. Vor mir tat sich das größte Skigebiet Spaniens auf und irgendwo schielte ein riesiges Radioteleskop genau Richtung Sonne.

Es war wie ein kleiner Kulturschock nach den Tagen in der Abgeschiedenheit. Das Skigebiet offenbarte all jenes, was man Skigebieten nun mal so zuschreibt wenn kein Schnee liegt. – Es glich einer kargen Geröllhalde. Eine Gruppe schwerst motivierter Soldaten schritt an mir vorbei, gefolgt von ein paar anderen Wandersleuten. Etwas weiter bergab blieb ein Ehepaar, das ebenfalls auf dem Weg auf die Sierra Nevada war, am Wegesrand stehen und applaudierte mir zu, als ich mit Alfred vorbeifuhr. Es war ein schöner Moment. (Mir kommen fast die Tränen, wenn ich jetzt so darüber schreibe.)

Sierra Nevada
Ja, ich hatte es geschafft. Ich wusste zuvor nicht einmal, ob es mit derlei viel Gepäck und einem Trekkingfahrrad, dessen neuer Hinterreifen aufgrund eines unglücklichen Umstandes nun mal wirklich nichts in schwerem Gelände verloren hat, überhaupt möglich wäre. Vor meinem Aufbruch zog ich sogar in Erwägung, sollte es aufgrund des Geländes absolut nicht weitergehen, würde ich wieder umkehren und mich ein weiteres mal in Órgiva zu den Aussteigern gesellen. Aber ich hab es geschafft! Bis auf 3205 m auf die Sierre Sierra rauf und wieder runter. Meine Fresse war das geil! Ich würde es am liebsten gleich nochmal machen.

Pico del Veleta
Für alle Nachahmer: Die Sierra Nevada ist perfekt für eine hochalpine Fahrradtour. Noch mehr Spaß macht sie sicherlich wenn man mit einem Mountainbike und entsprechend weniger Gepäck unterwegs ist. Aber wo bleibt denn da die Herausforderung?

Erfüllt von Glück lies ich mich kurz vor dem Skiort Pradollano in einem kleinen Café nieder, das neben anderen kleineren mobilen Essständen auf einem Parkplatz stand und schaute Richtung Sonne auf den Gipfel. Da kam ich her. Wow!

Sierra Nevada
Während der weiteren Abfahrt begegneten mir ein Haufen Rennradfahrer. Sie alle fuhren die geteerte Piste bis zum Gipfel hinauf, nur um die selbige dann wieder hinunter zu radeln. Was sie verpassten, wussten sie gar nicht. Die wahre Sierra Nevada liegt hinter dem Gipfel, zwischen dem Refugio de Poqueira und dem Pico de la Veleta. Aber man muss es ja nicht übertreiben. Auch die Abfahrt gen Granada war wunderschön. Vor allem als man die Skiregion dann endlich hinter sich gelassen hatte.

Sierra Nevada
Nach Granada ging es für mich heute jedoch trotzdem noch nicht. Ich kehrte auf dem Campingplatz Las Lomas, gelegen an einem kleinen Stausee am Fuße der Sierra Nevada, ein. Ich konnte mir heute beim besten Willen noch nicht vorstellen, mir das Großstadtgewusel von Granada anzutun. Ganz langsam wollte ich mich erst einmal wieder an die wärmeren Gefilde und die Zivilisation gewöhnen.

Embalse de Canales
Zwar war der Campingplatz schweineteuer, allerdings war er im Besitz eines wirklich gut sortierten, kleinen Supermarkts. Den besten Campingplatzshop, den ich auf meiner Tour bislang ausgemacht hatte. Ich bekam also Lust, mir was zu kochen.
Leider fehlte es an Gas und auf ein kaltes Essen hatte ich heute Abend keine Lust. Die kurze Nachfrage, ob sie zufällig eine Gasflasche mit Schraubgewinde im Repertoire hätten, ergab nichts unerwartetes. Natürlich nicht. Aber die Dame an der Kasse hörte nicht auf unter ihrem Tresen herum zu kramen. Erst kam dabei nichts vernünftiges zum Vorschein. Dann aber präsentierte sie mir eine niegelnagelneue Gasflasche, die mir irgendwie bekannt vorkam. Um nicht zu sagen, sie sah genau so aus, wie die, deren Reste wir gestern bis aufs Letzte aufgebraucht hatten. Auf die Nachfrage hin, was sie denn kosten würde, sagte sie: „Gar nichts. Ein Gast hätte sie da gelassen.“

Das nenn‘ ich Karma Leute! Vor gut 3 Monaten lies ich ebenfalls eine brandneue Gasflasche an einem Campingplatz zur freien Verfügung zurück, weil sie absolut nicht zu meinem System passen wollte. Jetzt hab ich sie wieder! Mit dem richtigen Gewinde!

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