Ein Lichtblick

15. Juni 2016

Tag 5 – Von Genf nach Seyselle

Ein Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes. So muss das einfach sein. Aus dem Handy tönt gedämpfte Reggaemusik, die polnische Gefolgschaft verlustiert sich an Alfreds Hupe um den Tobi aus dem Bett zu kriegen und als ich dann wirklich mal einen Blick hinaus wagte: schönster Sonnenschein. – Ein guter Start in den Tag. Und dank meinen neuen Radfahrerfreunden auch noch ein recht zeitiger. (Sollte ich mir angewöhnen sowas.)

Aufbruchstimmung
Nachdem ich den übrigen Kuchen des 6 Fränkli Frühstücks quasi für Umme verzehrt hatte, schwangen wir uns dann auch bald auf unsere Räder. Das Radeln im Team sollte allerdings nicht lange währen. Die Jungs wollten an diesem Tag noch zum Lac de Paladru, was ich ob meiner Beine allemal für übermorgen vorsah. Kurz nach der Grenze (die dieses mal einem Skatepark verdammt ähnlich sah) verabschiedeten wir uns dann auch für die weitere Reise. Die Jungs Richtung Paladru, ich auf einen Kaffee. – Ich genoss es. Nicht nur den Kaffee. Auch das unbeschwerte Fahren. Mit genügend Zeit im Rücken, trotz schmerzender Beine. Das wird schon wieder. Ich müsste nur genügend Pausen und Dehnübungen einlegen.

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Was ich allerdings nicht im Rücken hatte, war der Wind an jenem Tag. Der wehte mit unaufhörlicher Miene entgegen meiner Nase. Ich wehte ihm entgegen mit einer guten Portion Lautstärke aus meinem Soundsystem.

Reitweg
Der Tag war wirklich super. Die Berge störten nicht weiter. Den Pausen sei’s gedankt. Ein bisschen kritisch beäugte ich zwar die Wegweiser für abgrundtiefe Reitausflüge. – Ein Pferd käme hier vielleicht mit ein paar Kratzern durch. Der Reiter selbst würde allerdings an der erstbesten Hecke hängenbleiben.

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Abfahrt nach Seyselle
Als ich die Berge bester Laune hinter mich gebracht hatte, offenbarte sich vor mir jenes, für was ich mich den ganzen Morgen so abgestrampelt hatte: Eine 10 km Abfahrt hinunter nach Seyselle. – So muss das sein Leute: Berg am Anfang, nicht am Ende!

obere Rhone
In Seyselle konnte ich natürlich nicht anders und kehrte auf dem altbekannten Campingplatz „Le Nant Matraz“ ein. (Dessen Name ich im übrigen immer noch recht belustigend finde.) Der Carrefour direkt daneben war mir zwar bisher unbekannt. Aber wie ich noch raus finden werde, kann sich innerhalb von 3 Jahren so einiges an der örtlichen Infrastruktur verändern. Praktisch allemal. Das Landebier an diesem Tag erwarb ich also im Carrefour. Dort offenbarte sich mir allerdings eine etwas seltsam kreative Auswahl an dergleichen. Wie es schien sind die Craft-Beer Künste inzwischen auch in der Savoie eingekehrt. Allem voran das Génépi-Bier, mitunter in der Farbe durchaus etwas grün gehalten, gab ich ihm ob der Hoffnung jetzt nichts mit Minze zu erwischen, eine Chance. Geschmacklich zielte es jedoch eindeutig an einem Bier wie es so sein sollte, vorbei. Minze war aber auch keine drin. (So… Moment… bin zwar nicht mehr in der Savoie. Hab aber dennoch den Kellner ob der Schreib-Situation gerade gefragt, was es mit dem Génépi so auf sich hat. Es hat kurz gedauert. Aber er wollte sich wohl den Mund nicht fusselig reden und hat mir nach dem ersten Versuch einen Schnaps serviert. Der erste Versuch war zwar auch ein Schnaps, allerdings mit Dreck im Glas oder Kräutersatz, wer weiß das schon. – Génépi ist also folglich ein Kräuterschnaps aus den hohen Bergen und hat im allgemeinen nichts mit Bier zu tun. Gar nichts. Und wenn dann allemal, dass man ob der französischen Braukunst auf Alternativen auszuweichen weiß.)

Die Bank auf der ich an jenem Nachmittag saß, war übrigens am nächsten Tag nur noch mit einem Floß erreichbar.

Essen
Kurz vor Ladenschluss trat ich meinen zweiten kleinen Ausflug gen Carrefour an, wollte ich mir doch die ganze Kocherei bei Max zu Hause zum Herzen nehmen und folgedem erforschen, was man mit einem einzigen Kochtopf so alles zaubern kann. Da im Supermarkt selbst nicht mehr viel Zeit blieb, überlegte ich kurz aber gefasst und entschied mich für ein mexikanisches Gericht, das ich von Mirna gerlernt hatte. Da alle sonstigen Zutaten sowieso nur in homöopathischen Dosen hinzugegeben werden, lässt sich das Gericht auf folgende Bestandteile herunterbrechen: gerupftes Hühnchen in Tomatensoße mit Avocado und zerbröselten Tortilla-Chips (und weil’s der Tobi so wollte noch ordentlich Käse). Perfekt für den Reisekocher. – Lässt sich allerdings noch mit allerlei Zutaten verfeinern.

Zeltplatz
Ich bin mir zwar nicht sicher, inwieweit sich ein Zeltplatz unter einem Baum bei potenzieller Gewittergefahr rechtfertigen lässt, allerdings bietet einem die Trauerweide ja einiges an natürlichen Blitzableitern und das muss fürs erste genügen. Auf jeden Fall flashig so eine Trauerweide. Des nächtens bei Regen und Sturm muss man sich gleich in einem Labyrinth an den Weiden vorbei zum Baumstamm schlängeln wenn man mal pinkeln gehen will. Und sollte es am Morgen unverhoffter weise doch irgendwann aufhören zu regnen, kann man ob der andauernden Wassertropfen von den Weiden auf das Zelt geruhsam noch ne Stunde liegen bleiben um daraufhin überrascht und mit einem großen Aha (!) über das schöne Wetter aus dem Zelt hinauszuluken.

Public Viewing in Frankreich
An jenem Abend gesellte ich mich nach getaner Kochaction natürlich noch ins Public Viewing Zelt des Campingplatzes, wo gerade ein Fußballspiel Frankreich gegen Albanien sein Dasein fristete. Verglichen mit dem Spiel Polen gegen Deutschland am nächsten Tag (dem die Radfahrergefolgschaft am liebsten gemeinsam beigewohnt hätte) gab es allerdings noch die eine oder andere Überraschung zum Besten. So bewies abermals der TF1 Livestream übers Internet ein ungeheures Interesse daran 5 Minuten vor Schluss noch eine Werbepause einzulegen. Ganz zur Freude der Franzosen, die just in diesem Moment das entscheidende Tor erzielten. Nun ja, immerhin fiel das 2 zu 0 noch in der letzten Minute der Verlängerung. So hatte zu guter Letzt doch noch jeder was zum gröhlen.

Trinken

Und auch zum trinken!

 

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