Flusstour auf der Ardèche

23. Juni 2016

Tag 12 – Von Saint-Remèze bis zum Bivouac de Gournier

Vor einer knappen Woche beschlich mich bereits die Idee, die Ardèche entlangzufahren. So könnte ich eine nette Variation in meine Strecke einbauen und müsste nicht immer auf ausgetretenen Pfaden fahren. In Erinnerung an den immensen Verkehr auf der touristischen Route durch die Schlucht, sowie an das viele Auf und Ab, hatte ich mir jedoch überlegt, das ganze mit dem Kajak zu machen. Warum auch nicht? Die Verleihfirmen in Vallon Pont d’Arc haben sicherlich nichts dagegen, anstelle meinereiner, ein Fahrrad durch die Schlucht zu transportieren.

So die Idee. Wie sie sich umsetzen lassen würde, dass würde ich vor Ort schon noch herausfinden. Also bin ich heute mal extra früh aufgestanden, hab mir noch was leckeres für die Strecke gekocht und bin dann natürlich trotz alledem zu spät in Vallon Pont d’Arc angekommen. Tja, wer sich am Abend vorab darüber informiert, dass die Flussabfahrt bis nach St. Martin nen geschlagenen Tag dauert, ist definitiv im Vorteil.

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Eigentlich war ich schon drauf und dran aufzubrechen, um mit dem Fahrrad die Schlucht zu durchfahren, als mich ein Hinweisschild eines Verleihservices darauf hinwies (so machen Hinweisschilder das üblicherweise), es gäbe auch die Möglichkeit eine 2 Tages Abfahrt zu buchen. Mit hübscher, kleiner, idyllischer Campingmöglichkeit in einem rudimentären Biwak-Camp am Fluss. – So zumindest mein Gedankenkonstrukt.

Gelesen, gedacht, getan. Davor war jedoch noch einiges an Hin und Her zu erledigen: Das Ticket für den Campingplatz wollte gekauft werden, ein Früchtekuchen vom Intermarché wurde zum Frühstück des nächsten Tages auserkoren, der restliche Wein vom Vortag wurde ob eines Alkoholverbotes im Naturreservat Ardèche (dem ich sogar per Unterschrift zustimmen musste) gut getarnt in einer sportlichen Trinkflasche untergebracht, und so weiter und so fort…

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Ardèche
So konnte es dann gegen 3 Uhr endlich losgehen. Der Fluss sah ruhig und erfrischend aus. Nicht die sonst so üblichen Kayaktour-Massen, die sich in Menschentrauben den Fluss runter drücken. … Moment, was war das? … Okay, das würde sicherlich eine einzelne Gruppe sein, die sich eines Donnerstags zufällig in die Ardèche verirrt hat und dann wäre wieder Ruhe. … Und das, was da der ersten Gruppe hinterher schippert, würden sicherlich nur ein paar Nachzügler sein. – Weit gefehlt.

Es folgen ein paar Flussimpressionen:

Ardèche
Ardèche
Ardèche
Nach dem ersten Ausstiegspunkt für die so genannte „Mini Descente“ nach einer knappen Stunde, hatte ich dann aber doch für den Rest der Tour mehr oder weniger meine Ruhe und konnte den Fluss und die Natur genießen.

Mal schauen wie sich die Sache mit dem Camp gestalten würde.

Ich trug wohl immer noch gewisse Erinnerungen an eine mehrtägige Flusstour in Neuseeland anno 2006 in mir, dementsprechend gestaltete sich auch meine Vorstellung wie es sich an diesem Abend in dem Camp zutragen werde. Beschaulich, besinnlich, vielleicht mit 5 anderen Mitstreitern und ein paar guten Unterhaltungen oder auch nicht. – Oder auch nicht. Genau diese Worte hätten mir eigentlich eher in den Sinn kommen müssen. Wie war das damals in Neuseeland? Hatten da nicht ein paar entnervte Deutsche davon erzählt, sie hätten ihre Tour in Ermangelung guten Wetters, nicht zu verachtender Magen-Darm-Beschwerden und einer australischen Schulklasse vorzeitig beendet? – Nun, hier fehlte es heute zwar nicht an guten Wetter aber halt auch nicht an Schulklassen. In diesem Fall holländische. Und davon eine ganze Menge. Verdammt.

Bivouac de Gournier
Als diese dann schlussendlich des nachts verstummten, entfachte mein ganz persönlicher unaufhörlicher Krieg mit den Moskitos, dank dem ich mich am nächsten morgen, als ich in den Spiegel schaute, im übrigen wieder wie ein pubertierender Junge fühlen durfte.

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