Wo gehts hier zur Tour de France?

12. Juli 2016

Tag 18 – Rennes-les-Bains bis nach Belflou

Den Tag begann ich mit einem gemütlichen Bad in den heißen Quellen von Rennes-les-Bains. Dazu muss man wohl hinzufügen, dass Rennes-les-Bains ein ganz besonderes Örtchen ist und es Bugarach in etwa der Weise gleich tut, wie man auch hier auf ein ganz spezielles Völkchen trifft, das auf der Suche nach Spiritualität und dem Einklang mit dem Universum ist. So hat es mich allemal nur ein klein wenig verwundert, an den heißen Quellen eine frühmorgendliche Badegruppe vorzufinden, die die Ruinen des alten römischen Bades in einen monotonen Mantra-Gesang hüllte. Ich gesellte mich vorsichtig hinzu. (Das Becken war randvoll und auf ein Bad bei Nieselregen in alles anderem als 30° warmen Wasser hatte ich nun wirklich keine Lust.) So lies ich also den Gesang auf mich wirken und wartete ab, ob sich bei mir ebenfalls irgendein meditativer Zustand einstellen würde. Ohne Erfolg. Also massierte ich mir in dem warmen Wasser ein bisschen meine Knie, wartete bis die Gruppe sich der Reihe nach unter dem Kühlwasserfall die Weisheit abgewaschen hatte, drängelte mich daraufhin frech vor, nahm einen guten Schwall warmes Wasser mit und verabschiedete mich so dezent, wie ich mich angekündigt hatte. Die paar Leute, die auf dem nahegelegen Picknickplatz in ihren Schlafsäcken die Nacht verbracht hatten, schien das Regenwetter und der Mantra-Gesang im übrigen nicht weiter zu stören. Selbst ein paar Stunden später, als ich bei meiner Abreise ein zweites Mal an dem Platz vorbei fuhr, hatte sich nur wenig geregt.

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Rennes-les-Bains
Im allgemeinen lässt sich der Tag in zwei Worten zusammenfassen: Regenwetter und Gegenwind. Wobei man zu dem Regenwetter hinzufügen muss, dass es schlimmer hätte kommen können. Dem Gegenwind hab ich allerdings nichts hinzuzufügen. Das ganze wechselte sich mit einer nicht annähernd so abwechslungsreichen Landschaft ab und als ich Limoux passiert hatte, eine nicht gerade sehenswerte Stadt, von der mir allemal ihre Kläranlage ob ihres Geruchs in Erinnerung blieb, der sich Dank dem Gegenwind in meiner Nase breitmachte, legte ich mich auf eine kleine Straße (in der Hoffung, vorbeifahrende Autos würden schon eine groszügige Kurve um mich machen) und schlief ein. Am liebsten wäre ich dort liegen geblieben.

Kornfeld
Die Landschaft, der Wind, die Berge… All das motivierte nicht wirklich und so war ich froh, als ich ein einladend fotogenes Kornfeld erblickte, um dem Tag etwas Abwechslung zu gönnen.

Hügel
Irgendwie sah hier eigentlich alles so aus, wie bei mir in Deutschland um die Ecke. Aber hat man irgendwann den Punkt passiert, an dem einen nur noch wenig vom Hocker haut, stellt sich eine gewisse neugewonnene Liebe für die Landschaft und ihre Einfältigkeit ein und man kommt aus dem Fotografieren gar nicht mehr heraus.

Schlussendlich bereitete mir das Regenwetter den lang erwarteten Schlussstrich – Schrägstrich – die lang erwartete Kaffepause in einer kleinen Bar in einer meinerseits namenlosen Ortschaft kurz vor Castelnaudary. Natürlich erwischte mich der Regen bereits mit seiner vollen Breitseite kurz bevor ich die Ortschaft erreichte, die allem Übel zu Gute auch noch auf einem Berg lag. Dafür war der Kaffee billig. 1 Euro hatte er mich inklusive Milch gekostet. – Wie ich den halben Liter aufgeschäumte Milch, die mir in einem separaten Kännchen serviert wurde, in meinem Espresso unterbringen sollte, konnte ich mir allerdings nicht erklären. Ich trank also quasi erst den Kaffee und spülte diesen danach mit einer guten Portion Milch herunter. Calcium ist gut für die Knochen und, so sagte ich mir, das bräuche der Fahrradfahrer.

Bis auf den gut gemeinten Kaffee war die Stimmung in der Bar allerdings nicht sehr einladend. Was ich hingegen mit großem Interesse verfolgte, war die Live-Berichterstattung von der Tour de France aus aller nächster Nähe, nämlich in Castelnaudary. (Hatte ich gestern nicht einen Wegweiser in ihre Richtung gesehen?) Mensch! Hätte ich auf der kleinen Nebenstraße nicht mein wohl verdientes Nickerchen gehalten, wäre ich geradewegs in sie hinein geradelt. – So verwunderte es mich auch nur wenig, als mich ein paar Schaulustige johlend mit einer Laola-Welle bejubelten, als ich auf meinen weiteren Weg an ihnen vorbeifuhr.

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Landschaft
Irgendwann neigte sich nun dann auch diese Etappe ihrem Ende zu. Und wie das nun mal gen Ende eines jeden Tages so ist, ereilt mich eine unbeschreibliche Gier noch alle möglichen tollen Dinge am Wegesrand zu fotografieren.

Lac de la Ganguise
Abgesehen von der trüben Landschaft waren die toten Baumstämme, die karg aus dem Stausee um Belflou herausragten, das Foto wirklich wert. Eine leicht mysteriöse, gespenstische Atmosphäre schworen sie in dem ganzen Regennebel um den See hervor.

Als ich dann irgendwann in der Auberge des Cathare ankam, war an der Rezeption ein wahnsinniger Betrieb. Muss gut besucht sein dieser Campingplatz, dachte ich mir. Vor allem als in leicht gebrochenem französisch die Beträge 500 und 750 Euro fielen, hatte ich sie wieder (oder zumindest eines): Ein großes Fragezeichen über dem Kopf. – Diese Leute scheinen hier wirklich gerne Urlaub zu machen.

Wie sich nach kurzer Unterredung bei Kronenbourg und Co. herausstellte, waren die vermeintlichen Urlauber allerdings nicht zum Spaß hier, sondern (wie man so schön sagt) auf Montage. Diego kommt aus der Gegend von Cádiz in Spanien und Pablo (?) aus Portugal. Es gesellten sich noch ein paar mehr hinzu und ich kam nicht umher, die Vermutung anzustellen, dass sich auf dem idyllischen Campingplatz am Stausee ein kompletter Bautrupp nieder gelassen hat.

beim Frisör
Diego lud mich daraufhin noch auf einen Apero zu sich und seinen Kollegen in seine „Chalet“ (besseres Mobilhome) ein und der Abend nahm seinen weiteren Lauf. Nicht nur dass sich mir wieder mal alle möglichen Gehirnwindungen, ob der allgegenwärtigen Vermischung von französischer und spanischer Sprache verknoteten. Nein, gegen später griff David auch noch zur Haushaltsschere, hatte er sich doch als ambitionierter Frisör vorgestellt, der nun an uns den „Avalon“, (bekannt aus dem Film „Leg dich nicht mit Zohan an“) vollführen wollte. – Nun ja, ich war zwar erst beim Frisör, hinter den Ohren lies ich mir dennoch ein bisschen herumrumschnippeln und die Augenbrauen wurden auch gekürzt. Die Übernachtungsmöglichkeit zwischen Malaga und Cádiz steht nun ebenfalls. Yeah!

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